Dinosaurier: Wieso die Printmedien in den Abgrund schauen

September 22, 2011 in Allgemein

Tad Nagayaki stellt die Nikon 1 J1 und V1 vor.Donnerwetter! Mir platzt gleich der Kragen, was für eine Unverschämtheit ist das denn: Da mach ich mich doch glatt lustig über die Printmedien! Zu recht?

Gestern lud Nikon die Fachpresse nach Berlin, um für ihr neues Produkt zu werben (hier mein Live-Blogeintrag bei neuerdings.com). Die Vorstellung war höchstprofessionell mit allen Vor- und Nachteilen die daraus entstehen – keine Atempause für freie Fragen vor den Kollegen, dafür aber auch keine Langeweile und gute Unterhaltung. Und so nahm ich Platz neben einem älteren Herrn, der sicherlich schon mehr Kameras in den letzten Jahren gesehen hat, als ich in meinem ganzen Leben! Eben ein echter, alter Hase.

Welche Pressemeldung?
Man kam ins Gespräch und schon ernüchtert teilte ich mit, dass nichts neues mehr gesagt werden könne, was nicht schon in der Pressemeldung heute morgen (07:45h Emailbeep, ich kerzengrade im Bett – 02:30h zu Bett gegangen..) gestanden hätte. Da drehte sich langsam der Kopf in meine Richtung, die Augenbrauen hoben und die Augen weiteten sich und mit bestürzter Stimme:
„Wie haben Sie die denn so früh bekommen?“ – „Stand doch in der Email heute morgen“ – „Ja?!“ – „Aber klar, alle technischen Details, Produktfotos und so weiter“ – „Oh“. Ein schnippischer Kommentar hätte lauten können, „..in meinem Briefkasten war nichts drin“.

Nun muss man ihm das nicht als Nachlässigkeit anlasten, solche Journalisten (dieser gehörte zu einer großen, weltweit agierenden Presseagentur) publizieren in Printmedien einen Tag später oder in wöchentlichen Fachmagazinen, die Zeit ist nicht so wichtig wie bei uns Bloggern. Doch es zeigt klar, wie sich die Zeiten ändern und wo wir als Online-Journalisten Vorteile bieten und auch für uns nutzen müssen.

Dazu kommt, dass wir uns besser mit der Technik drumherum auskennen, wie folgendes Beispiel zeigt: Jedem Teilnehmer wurde eine Nikon 1 V1 in die Hand gedrückt und wir konnten anhand eines gestellten Fotoshoots damit hantieren und eigene Fotos machen. Während ich mich schon durch die Einstellungen des Menüs hangelte (und alles mögliche verstellte), versuchten andere verzweifelt nachzuvollziehen, was gerade geschah. Was nicht gesagt wurde – die Kamera musste danach zurückgegeben werden, inklusive der Speicherkarte. Wer also nicht, so wie ich, seine eigene mitgebracht hatte oder die Kamera schnell an den Laptop anschloss, sah sich in einer merkwürdigen Lage. Und das waren einige.

Pressekonferenz Nikon: Nicht jeder war so fix, wie die Online-BloggerWas lernen wir daraus?
Solange es Klientel gibt, das Zeitungen dem Internet vorzieht, ist hier keinerlei Eile oder Email-Empfang frühmorgens vonnöten. Doch Printmedien versuchen im Internet Fuß zu fassen. Das zu Recht, denn die technikaffinen Kunden sind weitaus jünger als zuvor und damit vertrauter mit dem Internet, als mit einer sperrigen Zeitung.
Wenn wir Online-Blogger qualitativ gute Texte mit hochwertigen Informationen schnell verbreiten, werden die großen Alteingesessenen bald kein Land mehr sehen.

Kleine Checkliste:

  • Man sollte grundsätzlich zu Veranstaltungen seine eigenen Speichermedien mitbringen. Das heißt bei Smartphonevorstellungen eine microSD-, bei Digicams eine SD-Karte und bei Laptops, etc einen USB-Stick.
  • Sich Gedanken zur jeweiligen Veranstaltung machen und weiteres Utensil, wie Stativ (Vorsicht: Flughafen-Regularien beachten! Selbst mein kleines 30 cm Stativ wurde kritisch beäugt) vorausschauend einpacken.
  • Fotos, Fotos, Fotos. Man kann nie genug Fotos und Videos drehen, da man nicht sofort erkennt, ob nicht doch etwas verwackelt ist oder unscharf.
  • Reden. Wenn ein erfahrener Teilnehmer neben mir sitzt, verwickle ich diesen immer in ein Gespräch und frage ihn aus: „Was halten Sie davon? Wo sehen Sie die Stärken des Gerätes? Würden Sie so etwas kaufen? Was ist Ihnen dabei wichtig?“. Denn diese Antworten sind unschätzbar – man kann eben nicht alles wissen!