Apple vs RIM vs Nokia – ein fairer Vergleich

Oktober 30, 2011 in Allgemein

Closeup des Apple iPhone 4SApple hat es «in die Herzen der Menschen» geschafft, wer es kennt entscheidet sich sofort zwischen: „Ich liebe es“ und „Was’n Quatsch“. Ich werde mit Euch das Ganze etwas differenzierter betrachten und die Vorzüge, aber auch Schwächen gegenüber Blackberry und Symbian aufzeigen – Android wurde besimmt schon ‚zig Mal ins Feld geführt..

Die Hardware

Apple punktet in dieser Kategorie am höchsten. Saubere Verarbeitung, edle Materialien und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gewicht, Größe und Leistung zeigen der Konkurrenz, wie man Kunden begeistert. Das verwendete Display ist zwar kein Amoled, aber IPS-TFTs zeigen die natürlichsten Farben, sind völlig blickwinkelstabil und zeigen aus jedem Winkel das gleiche Bild und alles wirkt fast wie gedruckt – kein Wunder werden die auch in der Grafikbearbeitung vornehmlich eingesetzt!

Closeup des Apple iPhone 4SAuf der anderen Seite ist das Äußere entsprechend empfindlich, trotz sorgfältiger Benutzung sind bereits Kratzer auf der Glasoberfläche zu sehen, einen Sturz dürfte das Gehäuse mit einem Glasbruch quittieren und die Kameralinse liegt ebenfalls völlig ungeschützt frei. Bei längerem Spielen oder Surfen macht sich die leicht scharfe Kante zwischen Glas und Metall bemerkbar, die unangenehm auffällt.

RIM setzt beim Blackberry Bold 9900 auf ein ähnliches Konzept, auch hier findet sich eine Metallumrandung, die zwei schwarze Hälften voneinander trennt – und natürlich gibt es wie bei Apple eine weiße Version. Es mag an den Haaren herbeigezogen klingen, doch Blackberry hat scheinbar bei Apple abgekuckt.. und verbessert. Die Rückseite ist austauschbar, besteht aus hochwertigem Plastik und zeigt sich ungerührt ob jedweder Kratzer. Das Gehäuse fühlt sich an wie aus einem Guss, nichts gibt nach – außer den Tasten – und die leichte gewölbte Rückseite mit Gummirand liegt griffig in der Hand. So fühlt sich Ergonomie an.

Closeup des Blackberry Bold 9900Beim Display kommt ein simples TFT zum Einsatz, das bei extremen Winkeln ausgewaschene Farben darstellt und schon bei minimalen Winkeln die Farben verfälscht. Das microUSB-Loch und die Kopfhörerbuchse an der Seite fallen unschön auf, tun dem geschäftlichen Aussehen jedoch keinen Abbruch. Und auch hier ist die Kameralinse völlig ungeschützt. Der Blackberry scheint auch den einen oder anderen Sturz zu überleben.

Closeup des Nokia E7Nokia hat das Design endlich entdeckt, setzt beim E7 aber auf dezente Formen. Die ausklappbare Tastatur hat minimales Spiel und die Plastikenden an beiden Seiten für die Antennen schließen nicht bündig ab. Das komplett aus eloxiertem Aluminium gefertigte Gehäuse hat bereits mehrere Stürze hinter sich und außer ein paar Kratzern funktioniert das E7 tadellos. Allerdings ist die Kameralinse ungeschützt. Nokia verwendet ein Amoled, das ähnlich wie Apples IPS kräftige Farben darstellt und fast nicht ausfärbt. Doch durch die geringe Auflösung von nur 640*360 Pixeln wirkt es nicht so überwältigend wie jenes aus Cupertino. Nokia verteidigt den Ruf, stabile, langhaltende Hardware zu verkaufen. Das E7 dürfte da ganz oben auf der „Angeberliste“ stehen. Qualität Made Designed in Finnland.

Akkulaufzeit

Closeup des Apple iPhone 4SApple hat seine Hausaufgaben gemacht, mindestens einen vollen Tag hält das iPhone 4S durch. Und dabei muss es nicht geschont werden: Skype im Hintergrund, alle 15 Minuten Emailabruf, längere Surfausflüge, 4-5 Stunden Musik gelauscht und dabei noch schlechten Empfang gehabt – alles kein Problem. Das iPhone 4S erreicht einmal wieder die höchste Punktzahl.

RIM hat nachgelassen, zwar ist es immer noch das kräftigste Zugpferd mit der längsten Akkulaufzeit im Vergleich, zwei-vier Tage schafft man damit gut, doch die extremen Laufzeiten, die man früher gewohnt war, erreicht man damit nicht mehr. Egal, gegen das Apple-Fon gewinnt RIM locker.

Nokia. Und wir haben einen Verlierer! Herzlichen Glückwunsch Nokia für diese lächerliche Akkulaufzeit von sechs Stunden. Emailabruf alle 15 Minuten, etwas Internet surfen, fast keine Musik gehört und ein paar Emails beantwortet, Display auf niedrigste Stufe und schon ist der Akku leer. So stellt man sich kein Arbeitstier vor. Das ist mit Abstand das schlimmste Ergebnis für ein Smartphone.

Das Betriebssystem

Blackberry Bold 9900, Nokia E7, Apple iPhone 4SApple hat mit iOS viele Anhänger gefunden. Es ist schnell, es ist slick/ schön anzusehen und es tut was man verlangt – iOS ist rundum durchdacht. Es wurde kein Gedanke daran verschwendet, was der Nutzer vielleicht tun wollen würde. Es gibt zwei Optionen, die am häufigsten genutzt werden und fertig. „Friß oder Stirb“. Andererseits hat man damit eine sehr einfache Bedienung ohne verschachtelte Menüs und Einstellungen, die man so verändert, dass man am Ende selbst nicht mehr weiß, was man da angestellt hat.

Beeindruckend ist vorallem die schöne, einfache Bedienung durch den sehr präzisen Touchscreen und die effiziente Speicherverwaltung. Ich habe gefühlt tausende von Apps geöffnet und iOS verhält sich, als wenn nichts wäre (es sind 20, um genau zu sein), das überzeugt. Kleinigkeiten, wie zwei getrennte Lautstärkeregelungen für Kopfhörer und Lautsprecher oder Bedienung der wichtigsten Funktionen trotz Tastensperre, muss man einfach lieben.

Und dann gibt es noch Siri die Spracherkennung. Sie funktioniert. Alles was noch fehlt, wird kommen. Bald. Wer behauptet es könne nichts, wer sagt es tauge nichts und wer es als Spielerei abtut, zeigt nur, dass er es nicht ausprobiert hat. Seht Euch das Video an, um nachzuvollziehen wieso:

Trotzdem ist iOS weit davon entfernt perfekt zu sein. Noch immer ist die Kippfunktion des Bildschirms nicht durchgängig möglich. Da tippt man eine SMS im Querformat und wird just darauf gezwungen, das iPhone wieder zu drehen. Ohne Zwangsregistrierung bei Apple funktioniert das Gerät überhaupt nicht. Kinetic scrolling, also das automatische Nachrollen beim scrollen, hört beim Browser nach einer halben Sekunde auf, weshalb mein bei längeren Webseiten stundenlang nach unten scrollt, während es bei Bildern fast unendlich nachwippt. Und eine Umschaltung von 3G/ UMTS in das GSM-Netzwerk für GPRS und EDGE gibt es nicht. Braucht man nicht? Doch, wenn man nur GSM-Netzwerke zur Verfügung hat, wie auf dem Lande, dann schon oder wenn der UMTS-Empfang instabil ist und eine stabile EDGE-Verbindung besteht. Eine Steuerung mit externer (BT-) Tastatur ist nicht möglich, eine schnelle Verbindung als Massenspeicher gilt nur zur Übertragung der Fotos und aufspielen kann man dabei nichts.

Insgesamt fehlen die vielen Einstellungs- und Personalisierungsoptionen, die Apple bewußt wegläßt um die Nutzer nicht zu überfordern – mir fehlen sie. iOS ist gut, aber DAS perfekte OS sieht anders aus.

Nokia E7, Apple iPhone 4S, Blackberry Bold 9900RIM versucht den Schritt zu QNX zu schaffen, solange soll BB OS7 die Kunden bei der Stange halten. Und es wirkt. Blackberries sind einfach zu bedienen und halten trotzdem eine Fülle von Einstellungen vor. Das beginnt bei der Auswahl der Schriftgröße und -art für die gesamte Oberfläche und endet nicht bei der Fernadministrierung durch die IT-Abteilung. Aber es fühlt sich im Vergleich zu iOS wie ein barockes Schloss an: Es ist schön, aber alt. Der Blackberry Bold 9900 ist flink und genauso schnell wie das iPhone 4S. Fast keine Wartezeit und auch hier können einige Anwendungen gleichzeitig laufen. Es hat schon seinen Grund, warum der Großteil zum Beispiel in England oder Indien auf Blackberries setzt.
Ein Blackberry ist eben ein Arbeitsgerät, gemacht um seine Arbeit schnell zu erledigen und mehr für Freizeit zu haben – ohne Telefon. Diesen Ansprüchen wird das Smartphone bestens gerecht und die Auswahl an Apps mag nicht so umfangreich wie bei Apple sein, doch „wer suchet, der findet“.
Es gibt an BB OS7 nichts auszusetzen, nur benötigt es Eingewöhnungszeit und man muss einen extra Blackberry-Tarif hinzuwählen. Die Geschwindigkeit stimmt, es läuft stabil und der Funktionsumfang bietet alles was man braucht.

Die Sprachfunktion ist im obigen Video zu sehen, außer einer Telefonwahl und einer Statusabfrage hat RIM nichts zu bieten.

Apple iPhone 4S, Blackberry Bold 9900, Nokia E7Nokia hat seit dem Umstieg auf Touchscreens den eigenen Ast angesägt. Symbian S^3 oder das neue Symbian Anna, das kommende Belle sind nett anzusehen, doch die Schönheit ist schwer von Kapee. Alles dauert, man tippt, man wartet, es passiert etwas oder man muss nochmal tippen und nochmal warten. Teilweise stürzt das Betriebssystem ab oder beschwert sich, man habe nicht genügend Arbeitsspeicher.

Wenn es dann aber mal läuft und funktioniert, steht einem die umfangreichste Einstellungsvielfalt zur Verfügung, die man sich wünschen kann. Es gibt durchgängig eine Tastatursteuerung und Quer- oder Hochformat ist überall vorhanden. Vorallem verlangt Nokia keine Zwangsregistrierung, keine extra Blackberry-Option oder anderen Schmarn. Und wie man am 5800 XpressMusic sieht, werden Geräte selbst nach drei Jahren noch mit aktuellen Updates gefüttert. Verschweigen will ich aber auch nicht, dass im ersten Jahr die Software des 5800XM so grottenschlecht war, dass man es am besten im Klo hätte versenken sollen. Ständige Systemabstürze, Bugs und ähnliches erinnerten an Windows-98-Zeiten. Es war dementsprechend mehr als Nötig, ständig neue Updates nachzulegen, um die erbosten Käufer zu besänftigen.

Trotzdem hänge ich an meinem E7, denn Symbian ist offen. Es besteht kein Zwang, sich Software aus dem Ovi Store zu laden, auch direkt aus dem Internet ist überhaupt kein Problem. Im ausgeschalteten Zustand fungiert das Smartphone einfach als USB-Stick. Apple im Gegensatz tut ohne iTunes gar nichts und Windows Phone 7 wird ohne die Zune-Desktop-Software ebenfalls jeden Dienst verweigern. Auf Wunsch schickt man per Bluetooth Dateien an beliebige Geräte und empfängt eben so einfach Videos, Musik oder ein Programm. Die meisten höherwertigen Nokia-Geräte können sogar USB-Sticks, Digitalkameras, Tastaturen und Mäuse steuern, bzw. zeigen das komplette Bild über einen HDMI- oder AV-Ausgang an.

Die Unterschiede könnten größer eben nicht sein, Symbian bedeutet Freiheit. Das klingt pathetisch, doch im Angesicht Apples, die den Kunden einsperren und bevormunden, wird es nur umso deutlicher, wie offen Symbian wirklich ist.

Eine Sprachsteuerung gibt es für fast alle Optionen. Sie ist gedacht, um schnell Programme aufzurufen, Telefonate zu tätigen oder während der Fahrt eine Email vorgelesen zu bekommen. Und sie ist anpassbar. Siri dagegen lernfähig. Eventuell wird Nokia seinem Dienstleister Accenture befehligen, die Sprachsteuerung auszubauen um Siris Funktionsumfang zu erreichen. Das Potential ist da. Vielleicht ist aber Microsofts WP7 wichtiger..

Was heißt das am Ende?

Apple ist gut, wirklich gut und wird weitere Kunden gewinnen, aber vereinfacht zu viel und schränkt den Kunden zu sehr ein. RIM ist der (neue-alte) Underdog, den viele unterschätzen, der vieles kann, fast alles richtig, aber optisch nicht so wirken kann. Und Nokias Symbian? Allzu schade ist es nicht, wenn es in 2016 abtritt. Vor der Zeit, als es noch keine Touchscreens gab, hatte Symbian die Nase vorn und war, wenngleich sehr unübersichtlich, das fortschrittlichste System überhaupt. Jetzt versucht man einem Sterbenden die letzten Tage so schön, wie nur irgendmöglich zu machen. Ich mag Symbian und werde ihm die Treue halten, aber Stabilität und Geschwindigkeit gehören ganz klar nicht zu den Stärken.