Gibt es Freiheit bei Smartphones?

November 18, 2011 in Wissenswertes

Symbian Homescreen, aufgeräumt, informativ und modernEs heißt, „erst wenn man es verloren, dann erkennt man den Wert, den es hatte“. Nun bin ich in der glücklichen Lage, sie noch alle zu haben, sowohl die Tassen im Schrank, als auch die Dinge und Menschen, die mir etwas wert sind. Na gut, von dieser sehr philosphischen Rede, wollen wir uns weltlichen Dingen, wie einem Symbian Handy zuwenden. Seit Monaten und Jahren rege ich mich über Symbian S60 5th Edition und Symbian S^3 auf und verfluche es. Es gibt Hänger, Freezes, Resets, eben all die vielen anderen Ereignisse, auf die man liebend verzichten kann.

Doch seit meinem Test des Nokia Lumia 800 mit Windows Phone 7 schätze ich es um so mehr! Dabei zeigt WP7 all die Vorzüge, die ich in einem OS suche: Schnelligkeit, Responsivität, Stabilität, schönes UI-Design. Woher rührt also diese Schizophrenie? Wie erklärt sich dieses Paradoxon? Die Antwort ist simpler, als man beim ersten Blick vermuten möchte: Symbian ist Freiheit. „Große Worte“ möchte man sagen, mir ein verzerrtes Weltbild unterstellen. Doch ich meine das tatsächlich so. Symbian stellt für mich den Begriff der Freiheit dar. Sehen wir uns doch einmal die anderen Betriebssysteme an:

Apple = Freiheit?

Apple sperrt seine Nutzer weg in einen goldenen Käfig. Ich würde sogar behaupten, der Käfig bestünde aus nichtrostendem Edelstahl mit Blattgoldüberzug. Zwei Dinge gibt es bei iOS und Apple zu bedenken: Der Preis ist weitaus höher, als bei der Konkurrenz, ohne substantiell mehr zu bieten. Kauft man sich bei Apple ein, ist ein Austausch mit anderen Betriebssystemen nur über Umwege oder gar nicht möglich.

Android = Freiheit?

Android ist wohl das modernste OS mit der größtmöglichen Freiheit, bei gleichzeitig guter Leistung, trotz Zwang zur Registrierung. Es gibt wenig daran auszusetzen. Die Preisgestaltung ist ungeheuer flexibel, man kann Androids schon für hundert Euro ergattern – das ist ein Wort. Die Qualität vieler Geräte erreicht jedoch nicht das Niveau langhaltender Hardware, was eben auch eine Frage des Gerätepreises ist. Vorallem ist es damit möglich Kontakte auch offline zu synchronisieren. Wieso also kein Android? Viele Programme sind immer noch nicht in der Lage auf einer externen Speicherkarte installiert zu werden, möchte man den tatsächlichen Funktionsumfang erreichen, muss man sich SuperUser-Rechte ergattern, sogenanntes „rooten“, wodurch man Zugriff auf alle OS-Einstellungen erhält. Nebenbei frage ich mich, wieviele die Ethymologie des Wortes „rooten“ erklären können..

Blackberry = Freiheit?

Auch Blackberry könnte als frei durchgehen. Im Prinzip verlangt man keine Daten des Benutzers und will mit ihm auch sonst „nicht viel zu tun“ haben. Damit erhielte man größtmöglichste Anonymität, wäre da nicht die Blackberry-Option: Jedes BB-Gerät muss, um Emails korrekt zu empfangen, im System des Netzbetreibers eingeloggt und mit einem speziellen Server verbunden werden. Ohne diesen, ist das surfen im Internet nur über Umwege und Navigation, sowie EMails nur über Drittsoftware möglich. Die Option kostet meist nur 5€ Aufpreis und erlaubt danach sehr viel mehr Datentransfer bei gleichem Datenvolumen. Auch BB OS reagiert schnell, ist super slick, wirkt jedoch etwas in die Jahre gekommen. Leider ist die Hauptfunktion, für die Blackberry bekannt ist, nämlich Emails, nur unzureichend für Privatpersonen umgesetzt. Otto Normalverbraucher (seit einem Heinz-Rühmann-Film nenne wir Normalos uns so!) darf nur den BIS, den Blackberry Internet Service nutzen. Damit ist es nicht möglich die Unterordner eines IMAP-Servers anzuzeigen. Wieso eine solch triviale Funktion fehlt ist unverständlich! Ansonsten ist die Email-Organisation sicherlich immer noch das Feinste, was der Markt hergibt.

Windows Phone 7 = Freiheit?

Gleiches Aussehen wie bei WP7, doch da sagt man, es sei modernGanz gewiß ist WP7 kein Synonym für Freiheit. Microsoft hat es verstanden, bei Apple abzuschauen: Ohne einen Windows PC, ohne die Zune-Software läuft gar nichts! Kein Massenspeicher-Modus, kein Bildertransfer, kein Musikaustausch. Dabei ist WP7 nicht schlecht, wer sich davon überzeugen will, sollte meinen Bericht bei neuerdings.com lesen. Doch dem Zwang meine Kontakte mit einem Internet-Server abzugleichen, will ich mich nicht beugen. Egal wie sicher die Daten dort angeblich sind, die Steuersünder-CD und der Datengau bei verschiedensten Spieleanbietern und selbst Sicherheitsfirmen macht klar: Hacker finden alles und veräffentlichen alles. WP7 ist keine Option für mich, solange es nicht die Offline-Synchronisation oder VPN-Tunnel gibt.

Symbian = Freiheit?

Und so sind wir beim eingangs erwähnten Symbian angekommen. Es ist nicht zwangsläufig mehr Freiheit, als bei anderen Platformen. Es ist langsamer als Android und die Softwareunterstützung aktueller Platformen wie Yammer oder Google Plus fehlt völlig. Wieso sollte ich also gerade auf Symbian setzen? Nun ja, das ist fast wie… erinnert sich noch jemand an Windows Mobile? Symbian und WinMo sind Betriebssysteme aus einer Prä-Internet-Ära. Das bietet viele Nachteile, kommt aber beim Datenschutz mit Vorteilen wie: Offline-Synchronisation mit eigens dafür entwickeltem Programm, fehlender Zwangsregistrierung bei einem Internet-Server, ruhigem Gewissen, dass keine persönlichen Bewegungsdaten an den Hersteller gesendet werden und weiteren Pluspunkten.
Es ist erstaunlich wie ähnlich sich Symbian und WP7 in vielen optischen Punkten sind – trotzdem erklärt man S^3 für altmodisch. Neukunden würde ich unter keinen Umständen zu einem Symbian Smartphone raten, es sei denn sie sind auf der Suche nach einem billigen Alleskönner. Dann steht man vor der Wahl Google Android oder Nokia Symbian. Aber alte S60-User werden mir beipflichten, dass trotz der vielen Unzulänglichkeiten und trotz der vielen Hänger und Resets Symbian im Grunde ein tolles System ist.