Nur 30% Kalorien – bringt das überhaupt was?

November 26, 2011 in Wissenswertes

Dank unserer Ilse-Bilse.. keiner will ’se – der Ilse Aigner, wurde die Lebensmittelampel nicht eingeführt. Unsere Verbraucherschutzministerin aus der CSU hat sich erfolgreich gegen die Einführung einer Ampel-Kennzeichnung gestemmt, wie Spiegel und Foodwatch zu berichten wissen. Die dumme … [hier bitte Schimpfwort einsetzen] hat uns dabei schön hinters Licht geführt:
„Über 80 Prozent der Befragten“, so die Ministerin, beurteilten das „1 plus 4“-Modell als „informativ, verständlich und übersichtlich“, zitiert Foodwatch. „1 plus 4“ steht für die Nährwertangaben auf der Rückseite, die so schön in Portionsgrößen angegeben werden. Mal ist eine Portion 25g, mal 100g, dann wieder 50g – ja, alles sehr, sehr verständlich, Du Märchentante. Aber das ist Schnee von gestern, genauer gesagt aus dem Jahre 2009. Mittlerweile ist die Ampel -Kennzeichnung sogar gesetzlich verboten, da irreführend. Weniger irreführend war anscheinend die lästige Tabelle, wie sie auf der DGE-Homepage zu bewundern ist – mal ehrlich: Wer hat sich die Mühe gemacht das jemals durchzurackern?

Komisch, dass irreführende Werbung nicht verboten wird. Erinnert man sich an die Katjes-Werbung mit Null-Prozent-Fett? Wo diese schlanke Sportfigur sich massenweise davon reinstopft und nicht zunimmt? Oder die leichte Joghurette? Alle Kalorienbomben werden von schlanken Menschen beworben, als würde man davon noch abnehmen! Ist ja auch klar, wer will schon einen durchgealterten Raucher oder eine völlig adipöse Frau in der Werbung sehen? Da könnte man genauso Werbung für ein Schnitzel machen: „Ohne Fischfleisch“. Obwohl man da ja aufpassen muss, „könnte Spuren von Nüssen enthalten“..

Weniger Fett

Also habe ich mir mal drei Chips-Packungen des gleichen Herstellers angesehen. Die erste ist ganz normal hergestellt, die zweite enthält 10% Fett, die dritte 30% weniger Fett. Im ersten Moment muss man sich erstmal fragen, weniger Fett als …? Als die Vollmilchschokolade oder die Schweinshaxe? Klingt komisch, würde mich aber nicht wundern, wenn ein Stern in der Ecke soetwas behaupten würde.
Jetzt klingt 30% nach einer Menge weniger. Also wieviel hat ein normale Chipspackung? Lorenz Crunchips Western Style 535 kcal, keine Fettreduktion, Funnifrisch Ungarisch, schwerelos 30% weniger Fett 478 kcal und der absolute Spitzenreiter mit „nur“ 405 kcal ist funnifrisch Ofen Chips mit 10% Fett. Selbst mit einem zehntel Fett, kriegt man noch 400 kcal zusammen und spart gerade mal 130 kcal ein. Aber halt: pro 100 Gramm!

Weniger ist mehr!

Was gleich auffällt: Nur 10% Fett und trotzdem nur verschwindend weniger als die restlichen Chips? Wie soll das denn keine Irreführung sein? Auf der Suche im Internet nach täglicher Kalorienbedarf Erwachsener findet sich viel, jeder glaubt zu dem Thema etwas sagen zu müssen, doch eine tatsächlich zitierfähige Quelle findet sich nicht. Selbst die WHO äußert sich zu einer Kalorienanzahl nicht bzw. läßt den Link darauf nicht leicht auffindbar anzeigen.

Die einzige, noch am Vertrauenswürdig erscheinende, Quelle war die Pharmazeutische Zeitung, welche die kostenpflichtige Broschüre der DGE zitiert. Demnach benötigt ein Mann zwischen 25-51 Jahren 2900 kcal täglich, eine Frau nur 2300 kcal, genaueres findet sich über die Verlinkung. Damit macht eine Chipstüte mit ca. 500 kcal rund ein Fünftel des täglichen Energiebedarfes aus. Sieht man sich die Kalorienangaben auf Fertiggerichten an, so enthalten diese zwischen 500-1000 kcal. Rechnet man mit einem Durschnittswert von 800 kcal erhält man bei drei Mahlzeiten à 800 kcal gleich 2400 kcal. Da ist eigentlich kein großer Spielraum mehr. Denn am Tag verdrückt man vielleicht noch einen Apfel, trinkt Fruchsäfte, lutscht ein Bonbon..

Das Standardgewicht für eine Tüte Chips scheinen mittlerweile 150 Gramm zu sein, das heißt eine Western Style Packung enthält im Schnitt 1,5 * 535 kcal gleich 802,5 kcal das entspricht einer Mahlzeit. Das verwunderlich daran, wenn ich die mit den geringsten Kalorien aufesse, erhalte ich 1,5 * 405 kcal 607,5 kcal. Das ist zwar 200 kcal weniger, aber letzten Endes spare ich nicht viel, denn mit den 2400 kcal wäre die Frau schon 100 kcal drüber. Dann noch die 607,5 kcal Chipstüte führt dann zu einem Overkill. Das erklärt auch, warum Frauen schneller zunehmen als Männer: Ihr Kalorienbedarf ist nunmal geringer. Simple Tatsache, simple Erkenntnis.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass ich weit weniger Kalorien zu mir nehme, es mir gut geht und ich sogar noch zunehmen würde – obwohl diese Werte für leichte Arbeit angegeben sind! Natürlich ist jeder anders und verwertet die Ernährung unterschiedlich, doch selbst wer sich nur von (gesundem) Gemüse, wenig Öl, bescheidenem Einsatz von Kohlenhydraten in Form von beispielsweise Reis, Kartoffeln oder Nudeln ernährt, auf Fruchtsäfte, Süßigkeiten und andere Dickmacher verzichtet – tja, der nähme wahrscheinlich trotzdem zu.

Auf den Körper hören

Wir alle haben den Spruch gehört, vielen hängt er schon aus der Nase heraus und eigentlich kann auch ich ihn nicht mehr hören. Und doch! Wer sich nicht vollstopft, sondern mit seinem Körper im Einklang steht und auch mal aufhört, selbst wenn es so gut schmeckt und irgendwo im Bauch noch was reinpassen könnte, tja dann nimmt man mindestens nicht so schnell zu. Oder vielleicht auch gar nicht.