Billige SD-Karten – Der Trick mit dem Kleingedruckten

Dezember 29, 2011 in Wissenswertes

microSD-, miniSD- und ein Adapter auf SD-Format

microSD-, miniSD- und ein Adapter auf SD-Format

Speicherplatz kann man nie genug haben: 2GB, 4GB, 8GB, 16GB – selbst 32GB rücken mittlerweile in greifbare Nähe. Verblüffend sind jedoch die Preise. 30€ für eine SD-Karte und vom gleichen Hersteller eine andere Karte für 15€. Wo ist denn da der Unterschied? Folgt mir auf eine kleine Reise in die Untiefen von Marketing und Kleingedrucktem.

Überzeugende Werte

Eine Flashkarte ist nicht mit einer Festplatte vergleichbar. Keine rotierenden Teile, keine Anschlüsse, die man verbiegen könnte. Eindeutig sind SD-Karten von natur aus widerstandsfähiger. Trotzdem werben Hersteller mit unwahrscheinlich beindruckenden Versprechen. Die Samsung Plus Karten überleben laut Hersteller:

  • 1,6 Tonnen Druck
  • 24 Stunden in Salzwasser
  • Starke Magnetfelder
  • Durchleuchtung mit Röntgenstrahlung

Das sind wahrlich Werte die einen gewissen Respekt einflößen, 1,6 Tonnen sind eine Menge und Röntgenstrahlung am Flughafen ist nicht zu verhindern. Aber! Wie groß ist denn der Unterschied zur Wald und Wiesenkarte?

Druck

Angeblich hält die Karte es aus, wenn ein LKW über sie hinweg fährt – respektive die angesprochenen 1,6 Tonnen. Das glaube ich auch sofort. Die Frage ist aber: Auf einem flachen Untergrund oder auch dann, wenn ein spitzer Stein genau mittig unter der Karte liegt, wenn die Karte also punktuell so stark belastet wird?!
Das normale Szenario dürfte sein, dass sich die Karte in einer Kamera oder einem Smartphone befindet und dann ein 1,6-Tonner drüber rast, weil man das Gerät aus „Versehen“ aus dem Autofenster hat fallen lassen. In den meisten Fällen schützt das Gehäuse die Karte und bevor diese mit dem Boden in Kontakt gerät, drücken erst mal der Metallrahmen und die Bauteile auf die Karte ein. Übersteht die Karte das dann immer noch?

miniSD auf SD-Format, heutzutage nicht mehr übliches Format

miniSD auf SD-Format, heutzutage nicht mehr übliches Format

Wasser

Es gab vor längerer Zeit einmal im Jahr 2008 einen Test der Chip zu sämtlichen Speicherkartentypen, welche denn robuster sei. Am Ende stellte sich heraus, dass CF-Karten recht anfällig gegen durchgeschlagene Nägel wären und alle anderen auch, die restlichen Angriffe durch Waschmaschinengang, Wasserbottich, LKW überfahren und werfen von einem Hochhaus überstanden die Karten klaglos.

Magnet- und Röntgenfelder

Der Chip-Test umfasst auch einen Angriff mit einem 1,6 Tesla starken Dauermagneten, den die SD-Karten ebenfalls problemlos über sich ergehen ließen. Und aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass sowohl die teuren Qualitätskarten, als auch die billigen Karten aus dem Drogeriemarkt um die Ecke gegen Röntgenstrahlung immun sind. Worauf kommt es also dann an?

  • Speicherkapazität
  • Format
  • Geschwindigkeit
  • Garantiezeit
Eine Kingston Class 4-Karte reicht für FullHD-Aufnahmen

Eine Kingston Class 4-Karte reicht für FullHD-Aufnahmen

Elefantenhirn

Diesen Punkt muss ich eigentlich nicht besonders hervorheben. Jeder weiß, viel hilft viel. Und umso größer der Speicherplatz, desto mehr passt drauf und desto länger hält die Karte. Wie bitte? Wie geht das denn? Jeder Flash-Speicher hat nur eine gewisse Anzahl von Schreibzyklen, wie Festplatten auch. Bei SD-Karten sind das so um die 10’000 Mal. Damit sich die Karte nicht zu schnell abnutzt, verteilt der Controller in der Karte die Schreibvorgänge gleichmäßig auf alle Bereiche. Umso größer der Speicherplatz, desto größer der Bereich. Und umso länger die Lebensdauer der Karte.

miniSD auf SD-Format, heutzutage nicht mehr übliches Format

miniSD auf SD-Format, heutzutage nicht mehr übliches Format

micro-mini-SD

Mittlerweile haben sich zwei Standards etabliert: microSD-Karten werden für kleine Geräte wie Kompaltkameras und Smartphones verwendet, SD-Karten kommen im Laptop und Camcordern zum Einsatz. Der kurzzeitig vorhandene miniSD-Slot ist verschwunden. Ich empfehle grundsätzlich auf microSD-Karten zu setzen und eine Karte mit Adapter auf SD-Format zu kaufen. Dadurch kann die Karte aus der Digicam in das Handy gesetzt werden und die Bilder wandern dann über das Handy diret ins Internet. Oder wenn die Karte voll ist, tauscht man sie gegen eine andere. Auf lange Sicht wird sich das microSD-Format durchsetzen – und wir wollen nicht schon wieder eine neue kaufen, oder?!

Alles eine Frage der Geschwindigkeit?

„Speed ist key“ sagt der Amerikaner und meint, „Geschwindigkeit ist alles“. Umso schneller die Karte, desto mehr Bilder pro Sekunde, desto schneller der Dateitransfer und desto schneller die Ladezeiten der Handyspiele. Dem Ganzen sind natürliche Grenzen gesetzt: Die Schnittstelle muss entsprechend schnell arbeiten können. Ist der Datenbus zu klein, wird schnell ein Flaschenhals daraus, da hilft auch die schnellste Karte nicht mehr.

Billige Karte aus dem Drogeriemarkt, für die meistne Zwecke völlig ausreichend

Billige SD-Karte aus dem Drogeriemarkt, für die meisten Zwecke völlig ausreichend

Zur Unterscheidung der Karten gibt es sogenannte Speed-Classes: Class 2 schreibt mit mindestens 2MB/s, Class 4 mit mindestens 4 MB/s und so weiter. Die Klasse ist meist auf der Karte aufgedruckt und wird durch einen fast geschlossenen Kreis mit entsprechender Zahl symbolisiert. Der heutige Standard scheint Class 4 zu sein, sollte also kein Hinweis auf die Geschwindigkeit zu finden zu sein, heißt das „vier gewinnt“. Das ist ausreichend um Musik und Videos auf dem Handy ruckelfrei abzuspielen, teilweise auch schnell genug um Videos aufzuzeichnen. Für eine FullHD-Kamera muss es nicht zwangsläufig Class 6 sein, die 4MB/s können ausreichend sein, wenn die Kamera eine hohe Komprimierungsrate einsetzt oder im 720p-Modus aufnimmt, doch den vollen Einsatzbereich deckt man meist nur mit Klasse 6 bei mindestens 6MB/s ab. Die Actionpro SD20F beispielsweise zeichnete problemlos mit einer Class-4-Karte auf (Kingston microSDHC 16GB) und auch die GoPro war mit einer billigen Karte völlig zufrieden (dm-Markt Paradies 8GB). Selbst die Rollei SD 800P machte mit einer älteren Karte FullHD-Aufnahmen (Sandisk 1GB).

Der Geschwindigkeitszugewinn macht sich natürlich auch bei der Lesegeschwindigkeit bemerkbar. Flashspeicher sind weitaus schneller im Lesebetrieb, als beim Schreiben. Das wird jeder bemerkt haben, wenn er größere Dateien auf einen USB-Stick transferiert, ewig wartet und beim Herunterkopieren in Kürze fertig ist: Nein, das liegt nicht am schnelleren PC des Kollegen, sondern am Flashspeicher.

Zunehmend werden auch Class-10-Karten angeboten. Hier muss man selbst entscheiden: sie kosten 3-10 Euro mehr und bieten nur in Topgeräten einen Vorteil. Andererseits wären sie bei 16GB mit Class 10 auch noch in 5 Jahren nutzbar. Und das lohnt den Aufpreis allemal, wenn man sich mal die ganzen 256MB und 512MB Karten anschaut, die in der Schublade vermodern!

Um die Verwirrung perfekt zu machen, noch ein letzter Hinweis: Nur weil auf der Karte Class 6, also 6MB/s Schreibgeschwindigkeit garantiert wird, heißt das nicht, dass man darauf beschränkt ist. Die angesprochene Samsung Karte Plus beispielsweise schreibt laut Samsung mit 12-13 MB/s – würde demnach sogar als Class 10 durchgehen.

Billige SD-Karte aus dem Drogeriemarkt, für die meistne Zwecke völlig ausreichend

Billige SD-Karte aus dem Drogeriemarkt, für die meisten Zwecke völlig ausreichend

Garantiezeit

Diesen Punkt würde ich nicht unterschätzen. Mir sind bereits zwei Karten abgeraucht. Ein kurzer Anruf bei der Kingston-Hotline mit Angabe der Seriennummer brachte mir schnell eine Austauschkarte. Da so etwas immer wieder mal vorkommen kann, würde ich mindestens 5 Jahre Garantie empfehlen. Ich bin in dieser Hinsicht nicht markentreu und vermute dass jeder andere Hersteller ebenso schnell und kulant tauscht. Wenn ihr dazu eigene Erfahrungen habt – immer her damit. Ich freue mich über Kommentare!

Fazit

Für die Kompaktknipse reicht die Billigkarte aus dem Laden nebenan. In den meisten Fällen werden die Bilder bei schnellen Serienaufnahmen intern gepuffert und profitieren von einer schnelleren Karte nicht. Auch dem Smartphone genügt die einfache Karte. Für FullHD-Aufnahmen und DSLR-Kameras darf es ruhig Class 6 sein, was völlig ausreichend ist. Auch hier tummeln sich viele Billigangebote für rund 12EUR für 8GB, die vollkommen in Ordnung sind. Class-10-Karten lohnen sich für den Einsatz in Spiegelreflexkameras ebenso gut, wie für den FullHD-Camcorder – werden aber nicht von allen Geräten ausgereizt. Den Aufpreis würde ich nur dann in Kauf nehmen, wenn man vorausschauend für die Zukunft kauft, dann aber bitte auch in 16GB- oder 32GB-Größe. Kleinere Karten werden höchstwahrscheinlich zu klein sein, wenn sie endlich das volle Potential ausschöpfen könnnten.

Der Chip-Artikel mit dem hahnebüchenden Testparcour, wie Abkochen und Überfahren.

Die Überreste eines verbrannten Auto: eine intakte Speicherkarte.