Blackberry Innovation Forum 2011 #BIF11 – Interviews und Hintergründe

Dezember 1, 2011 in Allgemein

“Wir sind von der Presse und müssen zur Messe” – “Aber hier nicht” – “Doch, hier. Wir wollen zu Blackberry” – “Nicht hier! Das ist der Messeturm, sie wollen zur Messe..”.
Nach langem hin und her, erreichten wir Presse-Futzies dann endlich die richtige Rezeption und ließen uns im Presseraum briefen, bis dann zur großen Keynote gerufen wurde.

Keynotes

Für diesen Anlass lud man extra einen Moderator aus Österreich ein, Werner Sejka, der ProSiebenSat1. Media Group. Die wichtigste Person war jedoch unbestritten Sascha Lekic, Director Enterprise Sales bei RIM, mit dem ich ein sehr interessantes Gespräch hinsichtlich Playbook und Displaygröße führte. Weitere Vortragende waren Roland Heiler, Porsche Design Group, dessen Vortrag eine langatmige Auflistung der Porsche-Design-Group-Meilensteine darstellte und in der nochmaligen Vorstellung des Porsche-Design-Blackberries kulminierte.

Dadurch erschien der ohnehin schon sehr gute Vortrag des Zukunftsforschers Matthias Horx in noch strahlenderem Lichte: Er referierte über die Gründe zivilisatorischer Evolution, wie es vom Faustkeil zur Maus kam, wie Blut zur Verbesserung der Dosenverschlüsse führte, wie der Wechsel von Chauffeur zu Selbstfahrer die Autoindustrie veränderte oder auch warum die Videotelefonie sich nie durchsetzte und durchsetzen wird, solange es Menschen gibt, die abends auf Piste gehen und morgens völlig verbraucht aussehen.
Er lockerte seinen freundschaftlich-sarkastischen Vortrag mit Witzen und Anekdoten auf, was ihm einen tosenden Applaus bescherte – soweit Männer in Anzügen dazu fähig sind.. Daraufhin starteten die Vorträge zu den verschiedensten Themen, die alle mehr oder minder geschäftskunden-lastig waren.

Backstage

Hinter den Kulissen werden die Fäden gezogen und so interviewte ich die Macher in den Hinterzimmern. Sascha Lekic ließ sich ein paar erfreuliche Neuigkeiten entlocken: Ja, es wird ein Playbook mit 10 Zoll Diagonale geben!

Während Kai Schulte, Enterprise Solution Manager bei RIM Deutschland, sich vorsichtig ausdrückte, darüber könne er nichts konkretes sagen, aber mit einem größeren Playbook sei “nicht in den ersten drei Quartalen” 2012 zu rechnen, erwiderte der sehr überlegt sprechende Sascha Lekic, “so lange wird es nicht dauern” und deutete einen Erscheinungstermin im dritten Quartal an. Nicht ohne stolz sprach er von einem Umsatzwachstum von 30% in den letzten vier Quartalen, denn “bei unserer Zielgruppe sind wir Platzhirsch”. Den Tabletmarkt sehe man als sehr jung an und zuerst wolle man die Bestandskunden versorgen.

Change The Rules

Jens Dissmann sprach auf dem Nokia-Treffen von Future Disruptions, mit denen man den Markt aufrollen wolle. Auch die Kanadier setzen auf fulminante Wortkreationen: Change The Rules. Dabei ist der Satz weniger abstrakt als man glaube möchte. Es geht um die Regeln bei der Firmensicherheit. Gerade Banken fürchten, dass über Blackberries unternehmenskritische Informationen verteilt werden, deshalb setzt die IT-Abteilung die Restriktionen besonders hart durch. Die Folge: Außer zu Email- und Telefonfunktionen ist der Blackberry zu nichts mehr zu gebrauchen. Die Lösung ist die jüngste Entwicklung Blackberry Balance. Sie soll es erlauben sowohl Geschäftsdaten, als auch private Emailkommunikation in getrennten Bereichen zu verwalten. Damit kann der Nutzer zwar weiterhin keine Firmeninterna kopieren und unerlaubt versenden, doch die riesige Auswahl an Apps, der Blackberry Messenger und weitere Möglichkeiten, zu denen ein Blackberry fahig ist, werden endlich nutzbar. Das ist wie das Lösen der Handbremse bei einem aufgedrehten Motor und soll RIM weit nach vorne katapultieren. Die Hoffnung: Durch die verbesserte private Nutzung empfehlen die Geschäftsmänner und -frauen die Geräte an ihre Privatkontakte.

Blackberry Fusion

Zweite große Neuerung ist Blackberry Fusion. Damit wird es erstmals möglich Nicht-Blackberries und Blackberries unter einer einzigen Oberfläche zu administrieren. Zu diesem Zwecke wurde vorausschauend ubitexx gekauft. Im Gespräch mit Markus Müller, Senior Director, wurde klar, RIM kannibalisiert sich durch diese Strategie nicht, sondern zeigt sowohl der IT, als auch den Managern auf, dass Blackberries die bessere Wahl sind – auch wenn man die iPhones unterstützt. Eine erwähnenswerte Anekdote: In neueren iOS-Versionen kann ein Jailbreak nicht mehr oder nicht mehr sicher festgestellt werden. Durch strenge Firmenpolicies sind Jailbreaks natürlich verboten und so wurden verschiedenste Manager aus den oberen Etagen Opfer von Zwangslöschungen, weil das Gerät fälschlich als modifiziert erkannt wurde. Bei Blackberry Fusion ist das nicht der Fall.

QNX

BBX, das neue Betriebssystem, welches auf QNX aufsetzt, soll der Knüller werden. Es bietet vorallem drei enorme Vorteile: Es ist Realtime-fähig, stabil und weit verbreitet. Realtime processing heißt nichts anderes, als dass eine Programmfunktion eine garantierte Antwortzeit hat. Ohne zu tief ins Detail mit CPU-Threading, Priorisierung und solchem Kram zu gehen: Wenn man einen Knopf drückt, dann passiert sofort etwas, egal wie ausgelastet das System ist. Die Stabilität wird durch eine direkte Verbindung zur Hardware gewährleistet. Moderne Betriebssysteme wie Windows nehmen den Umweg über eine weitere Schicht und binden Treiber für Maus oder Drucker direkt ins System ein – QNX aber lädt sie nur nach. Der Vorteil: Stürzt der Druckertreiber ab, läuft das Betriebssystem munter weiter und läd das Modul einfach neu. Windows-Nutzer kennen diesen Prozess nur als blauen Bildschirm mit “critical failure”, hier hängt alles zusammen. QNX ist enorm verbreitet: im Bordcomputer des Autos, in Kernkraftwerken, in Industrie-Anlagen. Und wie immer tun sich zwei gleichgesinnte einfacher beim Datenaustausch, als ein Mac und ein WindowsPC. Damit wäre z.B. die Steuerung des Autos leichter zu realisieren, als bei Android oder Windows Phone.

Weltweite Nutzung

Blackberrys Rolle in Deutschland, gehört in die Geschäftswelt. In England beispielsweise muss es ein Blackberry sein um ein cooles Image zu haben: “iPhone? Meine Eltern haben so ein Teil, bin ich etwa schon alt?!”. Der Blackberry Messenger gehört dort zum guten Ton. Statt Mailadressen werden BB-Pins verteilt, um untereinander zu chatten. Die Bluetooth-Kennung entspricht nicht selten einer 9-stelligen Zahlenfolge, über die man einem Chat beitreten kann. “Wie habt ihr dieses Image aufbauen können?”, fragen die deutschen Kollegen, “Das wissen wir nicht, es hat sich so entwickelt”. RIMs Rolle mag in Deutschland kein sein, doch weltweit ist sie weitaus höher als man annehmen mag. Laut Martin Thyssen, Director Alliances EMEA, erfolgt der überwiegende Teil von Facebook- und Twitter-Zugriffen über Blackberries – noch Fragen?

Schön war’s

Das #BIF11 war sehr interessant, wenngleich ich mehr Interviews führte, als Vorträge besuchte. Vorallem hatte ich Gelegenheit echte Blackberry-Cracks, die sogenannten Crackberries, kennenzulernen:

  • MacBerry.de
  • MrsBerry.de und
  • BerryBlog.de.
  • Lekic lehnt sich entspannt zurück, “Ich freue mich auf 2012, das wird ein erfolgreiches Jahr für uns”.