Gute Tests, schlechte Tests – 5 Tipps zum Erkennen von guten Testberichten

Dezember 13, 2011 in Wissenswertes

„Wow! Super Gerät. Viel besser als mein altes. Kann alles was ich will und klingt einfach genial. Kann ich nur weiterempfehlen“
Natürlich suche auch ich im Internet nach Tests und Reviews zu einem Produkt. Ich kann nicht alles testen und so verlasse ich mich regelmäßig auf andere Tester. Gerade dann, wenn es nur wenige Berichte zur Neuanschaffung in spe gibt, ist eine fundierte Aussage wichtig. Aber wie erkennt man das? Wie trenne ich die Spreu vom Weizen?
Hier fünf einfache Tipps:

1. Emotionen und Ich-Aussagen

Bei Amazon- und Ebay-Bewertungen sehr beliebt: Die „Ich-Aussage“. Zusammen mit der „Bestes-Gerät-das-ich-kenne“-Formulierung schwingt sich der Autor in den Testerhimmel hinauf. Gleich neben den Produktionsgott und die Engelein, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als neue Produkte zu begutachten. Eine sachliche Argumentation ist meist nicht zu erkennen. Hier geht es um Gefühle, die Identifikation mit dem Produkt. Spricht zwar nicht für den Verfasser, aber die Marketing-Leute.

Merke: Ich-Aussagen und übertriebene Emotionen sind ein Indiz für unreflektierte Reviews.


2. Fehlende Begründungen

„Das ist halt so, glaubt mir!“. Glaubenskrieger sind die allerschlimmsten. Hier wird nicht begründet, wieso-warum-weshalb da ein Urteil gefällt wurde. Hier wird geglaubt. Der Glaubenskrieger führt meist einen erbitterten Kampf gegen alle Angreifer anderer Hersteller. Da sein Besitz, sein Smartphone, Fernseher, Zubehör, das Beste ist, hat er es gar nicht nötig, das mit Argumenten zu untermauern. Es versteht sich von allein, dass nur er die Weisheit besitzt und uns damit erleuchten muss.

Merke: Eine Aufzählung von positiven/ negativen Punkten ohne stichhaltige Nachweise verrät den Blender.

3. Fehlende Maßstäbe

„Klingt super für meine Ohren und ich habe schon Dutzende von Kopfhörern ausprobiert“. Auch sehr beliebt, die Bewertung nach eigenen Maßstäben. Der Autor ist davon überzeugt, er habe eine ausreichende Basis an Geräten getestet. Um welche Qualität es sich bis dato gehandelt hat, ist nicht ersichtlich. Das kann gut gehen, muss aber mit entsprechenden Vergleichsgeräten durchgeführt werden. Solange ein Test darauf verweist, dass im Vergleich zu Gerät X das vorliegende besser oder schlechter klingt, darf man sich in guten Testerhänden fühlen.

Merke: Bewertungen ohne direkten Bezug zu einem Vergleichsgerät sind meist mit Vorsicht zu genießen.


4. Fehlende Beweise/ schlechte Beweise

Ab hier befinden wir uns nun in der Königsliga. Einem Forenschreiber wird man das nicht abverlangen und selbst professionelle Tester (und auch ich manchmal) bleiben ihren Lesern die Beweise schuldig. Wenn eine Handykamera als schlecht bezeichnet wurde, muss zwingend – zumindest im Internet – ein Beispielfoto her. Natürlich unter optimalen Bedingungen. Dieses Beispielfoto muss auch ausreichend groß sein, damit die Unterschiede klar erkennbar sind und darf nicht zu stark komprimiert worden sein. Gleiches gilt für Sounddateien und Abbildungen von bemängelten Stellen.

Merke: Bewertungen ohne Beweise sind mit Vorsicht zu genießen.

5. Fehlende Vergleiche

Ein erfahrener Tester zieht Parallelen zu anderen Geräten. Er kennt die gesamte Palette und kann Vergleiche ziehen. Das, und nur das, erlaubt einem Reviewer ein fundiertes Urteil auszusprechen. Er muss gar nicht Schwächen und Fehler suchen, er schreibt stattdessen, das dem eigentlich guten Gerät diese oder jene Eigenschaft fehlt. In diesem Moment darf man sich getrost in guten Händen fühlen, denn hier schreibt ein Mann vom Fach mit einer breiten Basis von vorangegangenen Tests. Aber, auf die Relevanz achten: Eine fehlende Mikrowelle in der Waschmaschine kann nicht angekreidet werden. Und ein Vergleich zwischen einem 600€ iPhone und einem 250€ Android kann nur schiefgehen!

Merke: Vergleiche mit anderen Geräten zeugen von einem erfahrenen Tester.

Ein schlechter Schreibstil sollte nicht gleich zum Anlass genommen werden, die Aussagen in Frage zu stellen. Doch erfüllt ein Bericht eines dieser Negativ-Kriterien, so lohnt es sich genauer hinzuschauen und im Zweifelsfall weitere Tests zu suchen.
Viel Erfolg!