Ich will einen Blackberry – und kann nicht..

Dezember 16, 2011 in Allgemein

Es ist zum Haare ausrupfen. Mein jetziges Nokia E7 mit Symbian S^3 geht mir tierisch auf den Senkel: Ständig stürzt die Startansicht ab und muss neu eingelesen werden, Programme stocken und besinnen sich erst nach 10-20 Sekunden auf das, was sie eigentlich tun sollten. Und ab und an hilft nur noch ein Reset, damit hängende Programme wiederbelebt werden. Es ist Zeit für ein neues Gerät, ein neues System. Nur welches?

Am naheliegendsten wäre Research in Motion mit dem Blackberry OS7. Es ist schnell, es ist schön und ultrakonfigurierbar. Noch mehr als Symbian und vorallem an den Stellen, die wichtig sind! Also habe ich einen Test gewagt: Kann BB OS7 meinen Ansprüchen gerecht werden?


Aussehen

Der Blackberry Bold 9900 wurde bei neuerdings.com bereits von mir vorgestellt. Und ich bin noch immer der Meinung, dass es ein sehr schönes, robustes und vorallem komfortables Gerät ist. Die Form erlaubt eine einhändige Bedienung – während ich mir schnell das Sandwich in den Mund stopfe, tippe ich mit der anderen Hand fast blind meinen Text und bediene das Menü. Das geht nicht mit jedem Smartphone und liegt auch an dem Trackpad. Es ist einfach zu beschreiben: Der Bold 9900 liegt super in der Hand!
Der metallene, satinierte Rahmen um das Gehäuse zeugt von seinem Einsatz: feine und weniger feine Kratzer durchziehen die Seite und nehmen ihm ein wenig von dem Glanz der Eleganz. Die Vorderseite raubt unserem Vorzeigeobjekt dann den Rest: Polierte Metallfläche? Mehrere Kratzer sind schon sichtbar und es werden täglich mehr..
Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau, andererseits stößt eine Seite scharfkantig heraus, da das schwarze Plastik sich verzogen hat. Schade.

Nokia Karten Navigation inklusive Geschwindigkeitsangabe und Points-of-Interest (POI)

Bedienung

Blackberry OS 7 (BB OS7) ist intuitiv. Trotz der vielen Menüs und Einstellungen findet sich jeder sofort zurecht. Was nicht augenfällig vorhanden ist, läßt sich über die Eingabe im Suchfenster auffinden. Beeindruckend schnell und zuverlässig arbeitet das System. Besser als Symbian ist keine große Kunst, immerhin ist der Prozessor fast doppelt so schnell (1,2 Ghz). Doch selbst bei 15 geöffneten Programmen wird das OS nicht langsamer. Alles flutscht und flitzt als wenn nichts wäre – dabei multitasked der Bold 9900 im Hintergrund – nur an der schneller schwindenden Akkuanzeige macht sich dieser Zustand bemerkbar.
Es gibt für fast jeden Einsatzzweck die passende Software und wenn man genug Geld ausgibt, erhält man auch die Dinge, die andere von Haus aus mitliefern. Nein, dem Blackberry fehlt es im ersten Moment an nichts. Doch ich habe durch Nokia einiges als Standard und Normalität erachtet, was bei anderen Geld kostet.

Nokia Karten macht mitterweile auch 3D-Gebäude und erleichtert die Orientierung nochmals

Nokia Karten macht mitterweile auch 3D-Gebäude und erleichtert die Orientierung nochmals


Navigation

Da ich häufig durch Deutschland gurke und das meist auf den letzten Drücker, brauche ich eine Navigation, die mich zielsicher und schnell an meinen Konferenzort bringt. Die Nokia Navigation „Nokia Karten“ macht dies außerordentlich gut: Im Auto kann ich die Sprachnavigation einsetzen, die mich ohne hin zu gucken fast perfekt ans Ziel lotst – bei schwierigen Verkehrsverhältnissen bringt erst ein Blick aufs Display die korrekte Abzweigung zutage. Und zu Fuß habe ich die Wahl zwischen Fußgängernavigation und reinem Kartenmodus. Einmal zu hause über den PC oder das WLAN die entpsrechenden Karten heruntergeladen, stehen sie ab sofort für die Offline-Nutzung selbst ohne SIM-Karte zur Verfügung. (Die Genauigkeit leidet ohne SIM etwas und auch der GPS-Fix braucht länger, da die A-GPS-Ortung, die Ortung über das Mobilfunknetz, fehlt.)

Blackberry liefert nur die eigene Lösung mit, die selten meine Zieleingaben fand, geschweige denn wirklich gut funktionierte. Die kostenlose Sprachnavigation gibt es nicht.

Dropbox, Cloudspace

Über meinen Anbieter habe ich 20 GB Onlinespeicher, den ich zum Austausch meiner Daten zwischen Smartphone und PC einsetze. So kopiere ich unterwegs Daten hin und her, bzw. greife auf wichtige Daten unterwegs zu. Bei Symbian geschieht dies über den Dateimanager einfach und schnell. Dort kann ich direkt die Adresse des WebDav-Speichers eingeben und einbinden. Die Option zur Einbindung in Blackberrys konnte ich nicht ausfindig machen, wodurch man wohl auf externe Softwarelösungen beschränkt bleibt, die nur den eigenen Server einbinden werden.

Die Nokia Karten Navigation ist schlichtweg super und schwer zu ersetzen

Die Nokia Karten Navigation ist schlichtweg super und schwer zu ersetzen


Externe Bildschirme

Im Prinzip ist es nur ein „nice-to-have“, eine Nettigkeit, eine Spielerei: Der HDMI-Ausgang. Wirklich eingesetzt habe ich ihn zuhause nur selten. Wieso sollte ich Filme über das Handy abspielen wollen, die nur 720p zeigen, wenn ich sie direkt am PC in FullHD sehen kann? Doch der viel schlechtere Video-Out mit Audioausgang (die drei-adrige Kabelpeitsche) bewährt sich immer noch.
In Hotelzimmern sind HDMI-Eingänge für externe Geräte eine Seltenheit. Es gibt sie zwar, aber nicht für den Hotelgast. Über das weitverbreitete gelbe Kabel mit dem Cinch-Stecker aber schließe ich mich an jeden Fernseher an und tippe mit der Bluetooth-Tastatur meine Mails und Texte vom Bett aus. Dadurch spare ich mir den schweren, sperrigen Laptop und muss auf keinen Komfort verzichten

USB-Host

Auch diese Funktion nutze ich seltener, als ich dachte. Doch wenn sie zum Einsatz kommt, dann freue ich mich über die unkomplizierte Bedienung: USB-To-Go. Kabeladapter ins Handy gesteckt und schon kann ich USB-Sticks, externe Festplatten und externe Cardreader benutzen. Diese „Spielerei“ macht sich immer dann bemerkbar, wenn andere den PC rauskramen und hoch fahren, weil der Veranstalter die Daten auf einem USB-Stick hinterlegt hat. Ich dagegen stecke das Kabel ein und lade die Daten direkt übers Handy hoch.

Skype geht nativ auf Symbian, auf BB OS7 funktioniert IM+ sehr gut, es gibt aber keine Sprachübertragung

Skype geht nativ auf Symbian, auf BB OS7 funktioniert IM+ sehr gut, es gibt aber keine Sprachübertragung


Stereo-Audio-Videos

Das ist wichtiger, als ich zuerst dachte. Zugegeben, einem Blackberry kann ich Multimedia nicht abverlangen, obwohl der Torch 9860 darin ein echter Spezialist ist. Aber Videos in Stereo und mit guter Qualität aufzunehmen kann ich gar nicht genug hervorheben. Der Bold 9900 wie auch der Torch 9860 übertreiben die Farben stark und sättigen das Bild über Gebühr hoch, obwohl die Qualität an sich ganz gut ist.
Außerdem fehlt dem Blackberry die Videoschneide-Funktion für Clip-Übergänge und Musikuntermalung. Klar, braucht man nicht wirklich, aber wenn ich keinen Laptop dabei habe, weil das Smartphone den ersetzen soll, ist es zwingend erforderlich für „work-on-the-go“.

Kosten

Laut RIMlern reichen 1MB für mehr als 500 Mails. Damit ist ein Blackberry die effizienteste Art seine Mails zu erhalten. Vorallem gibt es einen Reflow von PDF-Dateien. D.h. man kann sich nur den Text des PDFs anzeigen lassen oder das gesamte Layout, was den Gebrauch auf dem kleinen Smartphone flüssiger und angenehmer macht. Tolle Sache. Aber trotzdem oder gerade deshalb, knöpfen die Provider ihren Kunden noch mehr Geld ab: Die Blackberry Option kostet je nach Mobilfunkanbieter so um die 10€.
Obwohl die Blackberrys das Netz weniger belasten, es also schonen. Eigentlich müssten sie es noch pushen, damit mehr einen Blackberry einsetzen, damit die Belastung der Netze (wir erinnern uns an „Wir-sind-Einzelfall“) sinkt. Stattdessen wollen die auch noch Geld dafür!

Nokia Emails können vorgelesen werden - offline und ganz ohne Zusatzsoftware

Nokia Emails können vorgelesen werden - offline und ganz ohne Zusatzsoftware


IMAP-Emails

Dieser Punkt soll zum Schluß Gehör erhalten, denn das ist ein Problem des vielleicht schlechtesten Providers den ich kenne: Strato. Und ich werde sicherlich wechseln, wenn sich die Gelegenheit bietet. Solange die Server laufen ist alles paletti: Keine Ausfälle, 100% Erreichbarkeit und eine ordentliche Ausstattung. Aber wehe der Kundenservice ist gefragt. Ich habe noch nie so unerfahrene Antworten von den „Spezialisten“ erhalten wie bei Strato. Und bei meinem letzten Problem dauerte es fast schon einen Monat, bis das gelöst wurde.
Und natürlich macht Strato auch bei Blackberry-Mails Probleme. Zwar kann ich IMAP konfigurieren, doch der Blackberry-Server antwortet mit „Falsches Kennwort“ und läßt nur POP3-Zugriff zu. Dadurch werden Emails auf dem Blackberry neu zugestellt, obwohl sie auf dem PC bereits gelesen wurden und umgekehrt. Viel schlimmer ist aber, dass ich Unterordner und am PC verschickte Mails nicht abrufen kann und so meine Korrespondenz nicht vollständig dabei habe.
Wie gesagt, das ist nicht primär ein Problem bei Strato, auch nicht primär ein Problem von RIM. Beide sind dazu im Prinzip in der Lage. Sondern es ist eine Sache von Blackberry Internet Service und Strato. Aber für mich als Endkunde eben nicht haltbar, egal wer Schuld daran hat.

Achja, ganz nebenbei: Toll wäre es auch eine anständige offline Email-Vorlese-Software wie auf Symbian zu haben. Die funktioniert wunderbar selbst dann noch, wenn die Umgebungsgeräusche zum Beispiel Vocalyst oder VLingo in die Knie zwingen.

Tja..

Irgendwie klingt das alles nach einer Lobeshymne auf Symbian S^3 und das Nokia E7. Doch das ist mitnichten der Fall. Was mal wieder zeigt, dass ein Handy / Smartphone mehr ist, als die Summe seiner aufgezählten Funktionen. Es muss flutschen, responsiv und intuitiv bedienbar sein..
Der Blackberry Bold 9900 ist ein wirklich heißes Gerät. Kann viel. Ist schnell. Bringt viele intelligente Funktionen mit. Und hat eine schöne Einbindung in die Sozialen Netzwerke. Ich hätte den Blackberry gerne benutzt. Gerne in meinen täglichen Workflow eingebunden. Denn er macht vor allem eines: Laune. Und gute Laune kann man nie genug haben.