Jabra Supreme vs Plantronics Voyager Pro HD – Kampf der Giganten
Dezember 17, 2011 in Backstage mit neuerdings
„Es kann nur einen geben“ und das gilt nicht nur für unsterbliche Highlander, sondern auch für unantastbare Noise-Cancelling-Headsets. In meinem großen Bluetooth-Headset-Vergleich setzte ich das Jabra Supreme aufs Siegertreppchen. Doch dann traf das Plantronics Voyager Pro HD bei mir ein. Auch das habe ich ausführlich auf neuerdings.com getestet. Wird es nun eng auf Platz eins? Gibt es einen Wechsel an der Spitze? Horchen wir mal hinein:
Die Kandidaten
Beide Anwärter auf den Thron kommen aus gutem Hause. Das Jabra Supreme stammt aus dem Königreich Dänemark und stellt das königlichste in Sachen Technik dar. Das Plantronics Voyager Pro HD stammt aus den U-Es-Ah! und blickt auf eine lange Tradition und Erbfolge zurück.
Jabra Supreme Fakten
Beginnen wir beim König: Hinter vorgehaltener Hand spottet man über sein hässliches Äußere. Er wirkt weder edel, noch tollkühn. Protzt nicht mit Gold und Metall und geht völlig eigene Wege.
Die Fakten:
Plantronics Voyager Pro HD Fakten
Der toughe Amerikaner stolziert mit breiter Brust daher, immerhin ist der schön gewachsene Jüngling im dunklen anthrazit Anzug eine wahre Augenweide.
Die Fakten:
1.) Komfort

Jabra Supreme: Der Sitz am Ohr ist bequem und sanft, aber nicht sehr sicher. Bei jedem Schritt zappelt das Headset am Ohr herum und schwingt. Dafür stört es selbst Brillenträger nur wenig, durch den dünnen Bügel. Der Wechsel von links nach rechts erfolgt durch Umstecken des Bügels und Drehen des Gelenks. Mal schnell unbemerkt im Gespräch das Ohr wechseln, geht da nicht.
Plantronics Voyager: Bombenfester Sitz am Ohr, nichts wackelt, nichts drückt. Allerdings kollidiert das dicke Hinterteil mit den Brillenbügeln. Der Wechsel von einem ins andere Ohr geht spielend leicht, dank der vielen Gelenke. Eindeutig wird klar: Die Amerikaner geben mit der Technik an und setzen viel davon ein. Jabra gibt sich da mehr russisch zurückhaltend: Wenig Bauteile, wenig Verschleiß!
Punktestand – Dänemark : Amerika, 4 : 4 von 5
2.) Sprachsteuerung
Die Dänen sprechen nun mal kein Deutsch. Und so ist die Spracherkennung unterwegs unregelmäßig – mal funktioniert es, mal nicht. Bei Umstellung auf Englisch sind die Sprachbefehle eindeutiger und werden besser erkannt. Aber von wirklich gut kann hier keine Rede sein. Eher nervzehrend.
„Ick bin ein Berliner“, das behauptete ein Kennedy und das Voyager versucht sich auch in die deutsche Sprache einzufühlen. Doch im Grunde gibt es gar keine Befehle, denn das Plantronics kann völlig ohne Sprachinteraktion genutzt werden.
Punktestand – Dänemark : Amerika, 2 : 3 von 3
3.) Akkulaufzeit
Hier ist nicht viel zu verzeichnen, beide erreichen 5.5 Stunden Akkulaufzeit. Das liegt oberhalb des Vier-Stunden-Durchschnitts und entspricht realen Testumständen. Allerdings hat das Jabra Supreme einen Vorteil: Es kann durch Zuklappen aus- und ebenso schnell eingeschaltet werden, das spart Akkustrom im Standby. Das Plantronics dagegen kontrolliert durch einen Sensor ob es aufgesetzt ist und geht dann in einen Standby-Modus, der ebenfalls Stromsparen hilft.
Punktestand – Dänemark : Amerika, 3.5 : 3 von 5
4.) Geräuschunterdrückung
Das ist der Grund, wieso die Geräte überhaupt in die engere Wahl kommen: Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen. Am Königshof gibt es immer wieder Geläster, Getuschele und Konspirationen. Leider kriegt ihre königliche Hoheit dies nicht mit, denn die Geräuschunterdrückung funktioniert hervorragend. Hintergrundgeräusche werden gut ausgefiltert, die Stimme bleibt klar und menschlich zu hören, ist aber etwas leise.
Als „eckter Ämehrikenn“ ist man Lärm schon gewohnt und das beweist sich in der zuverlässigen Abschirmung von Störgeräuschen. Das Voyager spricht etwas schneller an, als das Supreme und überträgt die Stimme klarer und lauter. Das hilft an öffentlichen Plätzen sehr, wo man andere nicht belästigen will.
Punktestand – Dänemark : Amerika, 3.5 : 4 von 5
5.) Windabschirmung
Dieser Punkt ist der kritischste. Echte Windunterdrückung schafft nur, wer sich auf mechanische Barrieren verlässt. Mit einem Signalprozessor und einem Algorithmus kommt kein Hersteller weit. Jabra sorgt vor und kleidet die Mikrofonspitze mit einem speziellen Schaum aus: Die Rechnung geht auf! Wind wird zuverlässig abgehalten, ohne das Gespräch zu stören.
Vom Plantronics erwarte ich eine ebenso zuverlässige Leistung. Das verspricht die „WindSmart®-Technologie“, doch oha – Pustekuchen! Auf dem Parkplatz weht nur ein leises Lüftchen und schon beschwert sich mein Gesprächspartner. Eindeutig: Wind stellt die Achillesferse unseres mobilen Lauschers dar und das degradiert ihn auf Innenräume und windfreie Außenbereiche.
Punktestand – Dänemark : Amerika, 4.5 : 2.5 von 5
6.) Mobilität
Eine riesige Beule in der Hosentasche ist unschön und störend. Beide geben sich da nicht viel. Doch das Jabra Supreme kann etwas kleiner gepackt werden und ist kompakter insgesamt, als das flache, aber breite Plantronics Voyager Pro HD.
Punktestand – Dänemark : Amerika, 1.5 : 1 von 3
7.) Spezialitäten
Ihro Gnaden, das Jabra Supreme, beherrscht die geheime Technik des „aktiven Noise Cancelling“. Dies erzeugt eine Antischallblase um den Sprecher herum und eliminiert Umgebungsgeräusche um den Sprecher. Man muss nicht mehr aktiv die Hand um das Ohr schlingen, um sich unterhalten zu können. Sehr ausgeklügelt, funktioniert und macht Spass. Zudem protzt der riesige Lautsprecher am Ohr mit kräftigen Bässen und klarer Verständlichkeit. Der Klappmechanismus ist praktisch, geht aber nicht in die Wertung hinein.
Das Plantronics zeigt gleich mehrere gute Bedienkonzepte: Für fast jede Funktion gibt es mindestens einen Bedienknopf, das alleine ist schon viel wert. Dann ist es möglich durch Drücken der Lautstärketasten die Musik zu stoppen und zu starten, eine Idee die nicht nur vorzüglich funktioniert, sondern auch sehr leicht auszuführen ist. Außerdem erkennt das Headset, wenn es getragen wird und nimmt automatisch das Gespräch an, wenn es aufgesetzt wird. Das entspricht bei anderen Headsets dem Ein- und Ausschalten und stellt nur eine technische Spielerei dar. Funktioniert aber eine Sekunde schneller als beim Einschalten von Geräten. Dabei hätte das Plantronics es gar nicht nötig, denn es ist das Headset, das sich bisher am schnellsten mit dem Handy verbindet. Es wird zusätzlich noch ein Jahr kostenloser Vocalyst-Service mitgeliefert. Ein Sprachdienst der Emails, Twitter oder Nachrichten vorliest und Sprachdateien als Antwort verschickt. Doch seit kurzem ist die Bedienung des Sprachmenüs so schlecht geworden, dass die Roboterdame am anderen Ende keinen meiner Sprachbefehle mehr versteht, egal ob Headset oder Handy selbst – dafür müsste ich eigentlich noch einen Punkt abziehen!!
Punktestand – Dänemark : Amerika, 1 : 1 (pro sinnvollem Feature 0.5 Punkte)
8.) Reichweite
Die sei hier nur kurz angemerkt. Das Jabra Supreme zeigt eine durchschnittliche Leistung. Problemlos können Handy und Headset beliebig im Raum placiert werden ohne Unterbrechung des Funks.
Plantronics dagegen schwächelt hier und zeigt schon leichte Veränderungen, wenn Handy im linken Ohr und Headset in der rechten Hosentasche getragen werden. Die Reichweite ist unterdurchschnittlich, wenngleich noch ausreichend.
Punktestand – Dänemark : Amerika, 2 : 1 von 3
Der Endstand
Zeit zum Zusammenzählen Dänemark : 22 Punkte von 29 Gesamtpunkten. Das ist ein stattlicher Wert. Vorallem durch die Geräuschunterdrückung und das Antischall kann das Jabra Supreme Punkten, doch beim Aussehen schwächelt es.
Amerika : 19.5 von 29 Gesamtpunkten. Dieser Wert spiegelt exakt das wieder, was sich auch in meinen persönlichen Präferenzen niederschlägt: Das Plantronics Voyager Pro HD ist ein ausgezeichnetes Headset, überträgt die Sprache gut und eliminiert zuverlässig Umgebungsgeräusche. Doch die fehlende Windabschirmung verbannt es vom windigen Hof oder dem Bahnhof. Instinktiv greife ich immer zum Schönling, da er sicherer sitzt und meine Stimme besser wiedergibt. Doch sobald der Wind pfeift muss das Jabra Supreme her..
Wind ist das K.O-Kriterium: In Messehallen, Hotel-Lobbys und Autoinnenräumen muss das Plantronics Voyager Pro HD her, es ist dort unschlagbar. Doch sobald man im Regen steht, der Wind einem um die Ohren pfeift und man auf den Zug wartet, kann nur das Jabra Supreme zuverlässige Sprachqualität bieten. Hätte Plantronics die Windabschirmung besser bedacht, wäre es zwar nicht der Sieger in diesem Vergleich gewesen, hätte aber das Supreme durch Design geschlagen! (2 Punkte mehr für das Voyager im Windtest bringen auch nur 21.5 Punkte, es würden noch 0.5 fehlen..)
Die beiden Firmen könnten für die Kunden ihren Wettstreit einmal beiseite legen und ein gemeinsames Headset konzipieren – das wäre sicherlich der absolute Knaller!
Insgesamt fällt mir negativ auf, dass fast kein Hersteller zuverlässig mit Windgeräuschen umgehen kann, obwohl dies eines der wichtigsten Kriterien für die Nutzung eines Headsets darstellt. Bisher waren nur Sony Ericsson und Jabra in der Lage dies weitestgehend zu ermöglichen. Das SE MW600 ist dabei kein wirkliches Headset, aber ein tolles und billiges Stereo-Headset mit OLED-Display. Und Jabra braucht sich auf seinem Ruhm nicht ausruhen, denn außer dem Supreme hält sonst keines aus dem dänischen Hause Windgeräusche ab.
Wie ist Eure Meinung dazu? Besitzt ihr eines oder gar beide? Kommentare sind wie immer herzlich willkommen.










Danke… dein Bericht hat mir in meiner Entscheidung geholfen wieder ein Plantronics HD zu kaufen da ich vorsätzlich am meisten im Auto unterwegs bin.
Leider ist das Plantronics Voyager Pro das ich bis dato hatte jezt (nach 2 jahren) kaputt geworden… naja. bei einem preis von ca 80€ sind das 40€ pro jahr an Kosten… ok.. einmal mal ich das noch mit, aber das nächste muss definitiv länger halten, sonst ist Plantronics für mich zumindest wieder gestorben. Absolutes KO Kriterium für beide allerdings, denn Jabra’s sind mir auch schon 2 kaputt geworden in 3 jahren. Ich muss aber dazu sagen, dass ich ein PowerUser bin, Headset kommt morgen’s aufs Ohr und Abend’s erst wieder runter.
Das freut mich natürlich sehr. Zwei Jahre sind jedoch ganz klar zu kurz für den Anschaffungspreis. Ich hoffe für Dich, dass es diesmal länger durchhält – und für den Fall, das nicht: heb’ den Kassenbon auf und falls was ist, meldest Du Dich bei mir.
Gruß
kai!