Eastman Kodak ist pleite – der Abstieg eines Fotogiganten

Januar 20, 2012 in Wissenswertes

Kodaks ist angekratzt und pleiteEs ist amtlich. Es ist ein endgültiges Urteil. Und es ist traurig: Die Eastman Kodak meldet Insolvenz an. Ein traditionsreiches Unternehmen, dass 1880 von George Eastman gegründet wurde und mit Fotoplatten startete, ist pleite. Überraschend war das keineswegs, denn schon seit vier Jahren schreibt Kodak rote Zahlen. 2011 kündigte die Firma bereits an, dass ohne durchschlagende Erfolge das Aus innerhalb der nächsten zwölf Monate kommen könnte. Am 04.01.2012 konkretisierten sich die Anzeichen: Die New Yorker Börse (NYSE) drohte Kodak aus dem Aktienindex zu werfen, da die Aktie langfristig unterhalb der Ein-Dollar-Grenze lag.
Die Grundbedingung der Wall Street sieht vor, dass eine Aktie für mindestens 30 Tage am Stück einen Dollar wert sein muss. Die Aktie lag aber um die 68 Cent herum. Die Meldung sorgte dann für ein endgültiges Absacken der Aktie.

Eine lange Tradition

Kodak blickt auf eine lange Geschichte von Fortschritten und wegweisenden Produkten zurück. 1888 schwang sich die „Kodak Brownie” zur Kamera der Massen auf, für nur einen US-Dollar war jeder in der Lage Fotos zu schießen. Ein halbes Jahrhundert später präsentiert Kodak 1935 der Öffentlichkeit den ersten Farbfilm, der für Hobbyfotografen geeignet war. In den sechziger Jahren gehört die Instamatic zur Ausstattung jedes Urlaubers. Der Werbespruch „Sie drücken auf den Knopf, wir kümmern uns um den Rest” ist jedem ein Begriff. 1969 werden die ersten Standbilder vom Mond mit einer Kodak-Kamera gemacht. 7 Jahre später, 1976, entwickelt der Kodak-Ingenieur Steven Sasson die erste Digitalkamera, doch da Kodak befürchtete, man könne dem eigenen Farbfilm-Geschäft das Wasser abgraben, verstaut man die Erfindung an einem sicheren Ort – 2009 stellt man die Farbfilm-Produktion ein. David Disselvo, Technik-Historiker, hält diesen Zeitpunkt für den Anbeginn des Abstiegs.

Drucken was das Zeug hält

Konzernchef Antonio Perez will Kodak als Druckerspezialisten etablieren, doch der Weg ist steinig und läuft nur schleppend an. Die Drucker sind nicht schlecht und beherrschen meist die neuesten Feature wie Googles Cloud Print, 3D-Druck und ähnliches. Auch die Firmware wird in kurzen Zyklen erneuert und verbessert, doch der Weg zum Erfolg ist steinig. Die Citibank Group stellt Kodak für eine Umstrukturierung fast eine Milliarde zur Verfügung, berichtet die Wirtschafts Woche. Das ist vor allem auch deshalb möglich, weil Kodak in seiner fast 125 jährigen Firmengeschichte mehr als 1100 Patente angehäuft hat – die könnten bei Patentstreits oder Lizenzierungen bares Geld wert sein. Und so wird nach einer Verschlankung (man lese Entlassungen) Kodak wieder Schlagzeilen machen – hoffentlich positive.

Es bleibt zu hoffen, dass David Disselvo nicht recht behält: „Der Abstieg Kodaks zeigt, wenn man in der heutigen Wirtschaft den Anschluss verliert, ist es sehr unwahrscheinlich wieder aufzuholen”.