Windows Phone 7 – Warum sich Microsoft diesmal durchsetzen wird

Februar 5, 2012 in Wissenswertes

Microsofts Windows Phone 7 setzt auf starke Integration des Xbox-ServicesEinen großen Namen zu tragen, öffnet zwar Tür und Tor, ist aber kein Garant für einen durchschlagenden Erfolg. Das musste Palm mit seiner webOS-Reihe erleben, das durchlitt Google mit verschiedensten Versuchsballons, deren Großteil fehlschlugen und so erging es auch Microsoft mit seinem mobilen Betriebssystem. „Windows CE for Mobiles” startete zwar vielversprechend, versackte aber gegen Palms Vorherrschaft. Windows Mobile erhielt zwar großen Zuspruch, gerade auch aus Geschäftskreisen, wurde aber nie ein durchschlagender Erfolg. Obwohl ich zugebe, dass WM 6.5 einiges richtig machte.

„Für Ältere geeignet”

„Aller guten Dinge sind drei” oder wie man in Redmond zu sagen pflegt „the 3rd time it’s the charm”. Windows Phone 7 hat die Massen erreicht und soll endlich die Weltherrschaft übernehmen oder zumindest den Massenmarkt. Dabei gibt sich Microsoft sehr bescheiden, „es gibt genügend Menschen, die noch ein normales Handy besitzen, das ist unsere Zielgruppe”, tönt es sonor aus allen Ecken. WP7 ist schnell. Wo immer man hintippt, es geschieht sofort etwas. Es fühlt sich responsiv an, obwohl durchaus kurze Verschnaufpausen auftreten können, doch diese werden geschickt kaschiert. Anfangs habe ich mich zwar von der schieren Geschwindigkeit blenden lassen, doch mein Urteil fiel, dennoch vernichtend aus: „Gut geeignet für ältere Menschen, die noch keine Berührung mit diesem neumodischen Kram hatten”. Das nahmen mir die PR-Menschen übel. Es klingt grausamer als es ist. Einfach, schnell, intuitiv. All das benötigt doch ein Anfänger.

Die Arbeit an Windows Phone ist noch nicht abgeschlossen

..und geeignet für den Rest

Doch schon nach der Vorstellung des Lumia 800 wurde mir schlagartig klar, hier steckt mehr dahinter. Windows Phone birgt mehr Potenzial, als auf den ersten Blick klar wird. Um das zu verstehen, muss ich etwas ausholen. Also… – na gut, ich verschone Euch damit.

Der Erfolg des iPhones beruht nicht zuletzt auf einer simplen Entscheidung: Ein Modell, ein Betriebssystem, uneingeschränkte Kompatibilität. Egal welche Software man will, egal welches Zubehör man kaufen will, egal welche Funktion man nutzen will – wo Apple draufsteht ist auch Apple drin. Alle Geräte erfüllen die gleichen Anforderungen und die Software ist über weite Betriebssystem-Versionen lauffähig.

Nun hat Microsoft eine gewisse Vorbelastung, was das „Übernehmen” von gewissen Ideen darstellt – man könnte es auch „lernen von den anderen bezeichnen”. Jedenfalls muss Microsoft klar erkannt haben, dass die Strategie Googles, mit verschiedensten Smartphones den Markt zu überschwemmen, zwar kurzzeitig effektiv wirkt, doch auf lange Sicht ein großes Problem enthüllt: Fragmentierung. Programmierer finden ein riesiges Schlachtfeld unterschiedlichster Hardware vor. CPUs von 600-1’200 MHz, mal mehr, mal weniger Arbeitsspeicher, integrierte und dedizierte Grafikkarten, 480*320 px, 800*480 px und andere Auflösungen. Wie soll man da einen entsprechenden Markt bedienen?

Einheit im Geiste und in der Hardware

Und dann erinnerte man sich wieder an Apple. Wo man alles schön geordnet und mit eiserner Faust zusammenhält. Ein Modell, ein Betriebssystem, uneingeschränkte Kompatibilität. Microsoft gibt bei seinem dritten Anlauf nun genau vor, was ein Smartphone können muss. Wie schnell die CPU ist, welche Sensoren verbaut werden und welche Displayauflösung zum tragen kommt. Selbst die minimale Speichergröße bestimmen die Redmonder. (Nebenbei, Google schlägt diesen Weg mit Android 4.0 nun auch ein.)

Das Konzept geht auf. Egal welches WP7-Gerät man zur Hand nimmt, sie sind sich alle gleich: Die Oberfläche, die Arbeitsgeschwindigkeit, die Funktionen. Einzig das Aussehen differenziert ein HTC von einem Nokia – und selbst hier nur beim Gehäuse, denn die Oberfläche und sogar die Farben werden durch die Microsoft eigene Oberfläche „Metro” vorgegeben.

Apples iPhone 4S macht vieles richtig

Einigkeit und Recht und Freiheit

Doch gerade Metro-UI ist ein gutes Beispiel. Dieses Kacheldesign bezeichnet MS als „Metro”, wie in „metrosexuell” oder „Die Metro”, dem Untergrundbahnsystem New Yorks. Denn die Kacheln sollen Informationen auf einen Blick darstellen, so wie ein Verkehrsschild klare Anweisungen enthält. Wie ich in einem persönlichen Gespräch erfuhr, ist Metro für App-Entwickler nicht zwingend Vorgabe. „Microsoft glaubt nicht, man habe das beste Design gefunden. Jeder kann seiner eigenen Fantasie freien Lauf geben. Die User entscheiden dann, ob es sich durchsetzt oder nicht.” Doch genau das macht ein iPhone aus: Die stringente und immer gleiche Anordnung der Bedienelemente.

Microsoft lehnt sich sogar noch etwas weiter aus dem Fenster, kaum hat man einen Fuß in der Türe, werden auch die Hardwarevorgaben wieder gelockert. Konnte man zuvor noch unbesehen ein WP7Gerät kaufen, ist ein Blick in die Hardwareliste unabdingbar (vgl. Winfuture), da die Kürzungen auch qualitative Einschränkungen mit sich bringen können. Hallo, das ist kontraproduktiv!

Und warum ist WP7 jetzt so toll?

Ach ja, das war doch die Kernaussage. WP7 birgt vornehmlich für Spieler und „Social Addicts” Vorteile: Jede Applikation kann im Windows Marketplace zuvor getestet werden. Die früher übliche Praxis, Demoversionen zu verteilen, wurde dank Apple und Google wieder fallengelassen. Auch Symbian und BlackBerry OS bieten in den seltensten Fällen Trial-Versionen an. Nur Windows Phone setzt konsequent auf „testen, dann kaufen”. Das mag wie eine Trivialität klingen in Zeiten von 99 Cent-Apps, aber auf lange Sicht läppert sich das und es vermittelt auch ein Gefühl von „Service am Kunden”, wenn alles vorher ausprobiert und angefasst werden darf. Diesen Vorteil können die Mitbewerber schnell adaptieren.

Der zweite Grund, der für WP7 spricht, ist die Unterstützung der Telcos: Apple diktiert die Konditionen und Google Android läßt sich nicht korrekt steuern. Die Mobilfunkanbieter brauchen deshalb einen Gegenpol, der mit Nokia und Microsoft auf willige und verhandlungsbereite Ohren stößt. Research In Motion sei als vierte Macht erwähnt, spielt in Deutschland jedoch eine untergeordnete Rolle. Nokia verfügt noch immer über ein riesiges Distributorennetz und arbeitet eng mit Telekommunikationsdienstleistern zusammen. In diese Kontakte, das Know-How und das Händlernetz kaufte sich Microsoft durch eine exklusive Partnerschaft mit Nokia ein.

An dritter Stelle muss die xBox-Integration genannt werden. Abgesehen davon, dass die Spiele für WP7 teilweise auch aus den Microsoft Studios stammen und von hervorragender Qualität sind, lassen sich Spielstände betrachten, Freunde aus dem xBox-Netzwerk kontaktieren und sogar Erweiterungen downloaden. So ist es möglich, das Smartphone als Erweiterung des Spielbildschirms einzusetzen und zusätzliche Informationen wie auf einem zweiten Monitor darzustellen, ich berichtete auf neuerdings.com darüber.

Das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Was ich von vielen Mac-Usern höre, „Ich glaube ich kaufe ein iPhone, das arbeitet einfach besser mit dem Mac zusammen”, wird sich bald auch auf Windows-Nutzer übertragen lassen. Mit einer kleinen Ausnahme: MS Windows dominiert den Markt.

Also kaufen?

Zur Zeit ist Windows Phone 7 noch ein zweischneidiges Schwert, denn wichtige Applikationen wie Skype fehlen. Der Marktanteil noch gering und damit auch die Bereitschaft der Entwickler zu investieren. Doch ich prophezeie, dass spätestens mit dem Erscheinen von PC und Smartphone OS „Windows 8”, der ganz große Durchbruch kommen wird.