Test der Casio PRW-6000: Outdoor-Feeling am Handgelenk

Oktober 27, 2014 in Allgemein, Sport

Ich bin nicht ständig in der freien Natur, möchte aber auch nicht ständig die Uhr wechseln, wenn ich spontan mal längere Zeit draußen bleibe. Und so stellt sich die Frage: Was ist die perfekte Outdoor-Uhr? Für manche ist die Antwort klar, ohne GPS, Schrittzähler und Navigations-Funktion geht draußen nichts. Stillschweigend akzeptieren sie aber auch die Nachteile, allem voran, das häufige Aufladen. Deshalb habe ich mich für eine klassische ABC-Uhr entschieden: Die Casio ProTrek PRW-6000. Was „ABC“ bedeutet und für wen die ProTrek geeignet ist, klären wir jetzt.

Temperatur-Messung an der Casio ProTrek PRW-6000

Temperatur-Messung an der Casio ProTrek PRW-6000

Design

Die PRW-6000 ist als Analog-Digital-Uhr konzipiert: dadurch zeigt die Casio stets die Uhrzeit per Stunden- und Minutenzeiger an. Der äußere Ring ist nicht beweglich und dient mehr dem Design, denn die symbolisierte Kompassrose eignet sich aufgrund der sehr groben 360°-Einteilung nur bedingt. Zwischen der Einteilung befinden sich zudem noch die Tastenbeschriftungen.
Ein Ring weiter innen wird man durch die vielen kleinen Buchstaben-Kürzel erschlagen: UTC, LON, PAR, HKG, NYC und so weiter. Diese Skalierung soll bei der Einstellung der Weltzeit helfen und nutzt auch fürs schnelle Umrechnen von Ortszeiten. Zu guter letzt befindet sich noch ein weiterer Ring, ein sogenannter Totalisator, auf Höhe der 10-Uhr-Markierung. Das digitale Zeitalter präsentiert sich in Form eines rechteckigen Balkens im unteren Drittel des Zifferblattes. Es besteht aus einer Punktmatrix und stellt somit nicht nur Buchstaben sondern auch grobe Symbole dar.

Die LED-Beleuchtung ist ausreichend hell um nicht nur das Zifferblatt, sondern auch den Boden zu erhellen.

Die LED-Beleuchtung ist ausreichend hell um nicht nur das Zifferblatt, sondern auch den Boden zu erhellen.

Das ABC der ABC-Uhren

Eine klassische ABC-Uhr misst in mindestens drei Kategorien: Altimeter, Barometer und Compass. Für diese Messung sind interessanterweise aber nur zwei Sensoren nötig. Das Barometer misst den umgebenden Luftdruck und stellt den Luftdruck-Verlauf als Kurve dar. zeigt die Kurve nach oben, so verbessert sich das Wetter. Macht die Kurve einen Knick nach unten, sollte die Regenjacke nicht fehlen. Der Luftdruck gibt aber auch über eine zweite Größe Auskunft: die Höhe. Um so höher man steigt, desto dünner wird die Luft und somit sinkt auch der Luftdruck. Als grobe Faustformel gilt, dass pro 100 Meter Anstieg, der Luftdruck um 12 hPa sinkt. Digitale Höhenmesser berechnen die Höhe deshalb über den Luftdruck (mithilfe der „barometrischen Höhenformel“). Hier zeigt sich eine Schwachstelle dieser Messgeräte: entweder man bleibt auf einer Höhe und liest die Wettertendenz ab oder man steigt auf und lässt sich die Höhe berechnen. Beides auf einmal geht nicht. Heutige ABC-Uhren integrieren noch einen dritten Sensor für die Temperatur. Deshalb auch die Bezeichnung „Triple-Sensor“ für die PRW-6000. Allerdings ist die Temperatur nur dann akurat, wenn man die Uhr abnimmt. Wer es nicht 100 Prozent genau nimmt, der trägt die Uhr am Handgelenk und legt ein normales Thermometer daneben. Nach rund 30-45 Minuten übernimmt er die Angabe des Thermometers in die Uhr. Das macht man vielleicht noch am nächsten Tag und hat dann eine relativ gute Orientierung für die Temperatur.

Bei einer aktuellen Messung weichen die Zeiger von der Digitalanzeige (Casio ProTrek PRW-6000).

Bei einer aktuellen Messung weichen die Zeiger von der Digitalanzeige (Casio ProTrek PRW-6000).

Was kann die PRW-6000?

Wie zuvor angedeutet, enthält die Casio ProTrek drei Sensoren für Luftdruck, Himmelsrichtung und Temperatur. Somit sind Höhe, gesamte Höhenmeter, Wetter-Tendenz, momentaner Luftdruck und Temperatur ablesbar. Die Kompass-Funktion ist nach Aktivierung für 60 Sekunden kontinuierlich aktiv. Danach geht sie in den Standby zurück, kann aber sofort wieder aktiviert werden. Was etwas nervt: Bei eingeschalteter Beleuchtung, friert die Messung ein und geht erst wieder weiter, wenn die LED-Leuchte erlischt. Die Messung der Höhe muss vor jedem Start mittels einer Karte oder Höhenmarkierung kalibriert werden. Die Differenz zum letzten Speicherpunkt oder einer selbst festgelegten Vergleichshöhe erkennt man anhand des Balkendiagramms, welches jedoch sehr grob ausfällt. Alternativ ist die Darstellung auch per Sekundenzeiger möglich, doch hier muss man sich für eine Skalierung festlegen: Entweder zeigt der Zeiger pro Markierung 10 Meter Unterschied an oder aber er löst mit 100 Metern-Differenz pro Markierung auf. Das ist im Vergleich zur PRW-3000 recht unbefriedigend. (Die Casio PRW-3000 ist eine reine Digitaluhr und zeigt die Differenz auf 1 Meter genau an.) Was mich völlig überraschte: Die gespeicherte Route in Höhenmetern wird nicht etwa als Balkengrafik dargestellt, sondern stattdessen gibt es nur noch eine Addition der Höhenmeter. Einen Höhenverlauf konnte schon meine zehn Jahre alte Casio ProTrek PRT-30 anzeigen! Hier ist der Fortschritt also ein Rückschritt.

Durch Aktivieren der Sturm-Warnung piepst die Casio ProTrek PRW-6000 bei schnellen Wetterumschwüngen.

Durch Aktivieren der Sturm-Warnung piepst die Casio ProTrek PRW-6000 bei schnellen Wetterumschwüngen.

Spezialitäten: Solar, Sturmwarnung und Funkempfänger

Doch meine alte PRT-30 hat seit dem letzten Batteriewechsel den Geist aufgegeben. Das wird der neuen PRW-6000 so schnell nicht passieren: Dank Solarmodul und Akku ist eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren mehr oder minder garantiert. Da muss man sich keine Gedanken machen, ob eine Messung die Batterie gleich wieder leert. Meine ältere Solar-Casio hat jetzt schon neun Jahre hinter sich und zeigt keinerlei Probleme. Vor Wetterproblemen warnt die ProTrek nebenbei auch noch: Nach manueller Aktivierung überprüft die PRW-6000 alle zwei Minuten den Luftdruck. Treten starke Luftdruck-Schwankungen auf, ertönt ein Piepton und ein Pfeil erscheint in der Digital-Anzeige: je nach Veränderung zeigt dieser entweder nach oben oder nach unten. Die Sturmwarnung ist erstaunlich zuverlässig. Allerdings ist sie so stromintensiv, dass sie sich nach 24 Stunden automatisch abschaltet. Sie kann aber problemlos sofort wieder aktiviert werden. Während der „Sturm-Überprüfung“ findet keine Zeitsynchronisation statt – ach, das habe ich ja ganz vergessen. Die Uhr enthält einen Empfänger, der alle auf der Welt verfügbaren Zeitsignale empfängt. Somit stellt sie sich auch zur Sommerzeit automatisch um und ist immer sekundengenau.

Die nachleuchtende Masse strahlt direkt nach dem "Lichtaufladen" sehr hell.

Die nachleuchtende Masse strahlt direkt nach dem „Lichtaufladen“ sehr hell.

Nach knapp zehn Minuten hat die Leuchtmasse stark an Helligkeit verloren.

Nach knapp zehn Minuten hat die Leuchtmasse stark an Helligkeit verloren.

Nachteile: Alarm, Timer, Stoppuhr, Zeiger

Während sich Casio recht viel Mühe mit den Outdoor-Funktionen gegeben hat, vernachlässigten sie die Standards: Die Stoppuhr zählt gerade mal bis zu 24 Stunden, der Timer Müh und Not 60 Minuten und die fünf Alarme kennen nur den Zustand „An“ oder „Aus“. Einen Wecker jeden Samstag oder gar an einem bestimmten Datum gibt es nicht. Hinsichtlich der Ablesbarkeit bin ich geteilter Meinung: Einerseits sind die weißen Skelett-Zeiger auf dem schwarzen Zifferblatt gut zu erkennen, andererseits hätten massive Zeiger mit dicker Leuchtmasse mehr Sinn gemacht. Da nur die Spitze mit nachleuchtender Farbe bedeckt ist, erkennt man nach ein bis zwei Stunden nur noch bei völliger Dunkelheit die Uhrzeit – oder man aktiviert die LED-Beleuchtung.

Etwas mehr als zwanzig Minuten später ist die Leuchtmasse nur noch bei völliger Dunkelheit ablesbar.

Etwas mehr als zwanzig Minuten später ist die Leuchtmasse nur noch bei völliger Dunkelheit ablesbar.

Glücklicherweise hilft die automatische Beleuchtung mit einer sehr hellen LED im Dunkeln aus.

Glücklicherweise hilft die automatische Beleuchtung mit einer sehr hellen LED im Dunkeln aus.

Die Digitalanzeige ist auch von der Seite gut ablesbar.

Die Digitalanzeige ist auch von der Seite gut ablesbar.

Vorteile: Zeigerausrichtung, Drehschalter, Beleuchtung

Die Genauigkeit der Zeigerausrichtung ist tadellos: Die Zeiger werden automatisch so justiert, dass sie stets auf die korrekte Position deuten. Damit aber nicht genug, wenn man die ABC-Funktionen aufruft, weichen die Zeiger automatisch von der Digitalanzeige. So ist der blick stets frei. Für die Einstellungen ist ein elektronischer Drehschalter verantwortlich, damit klappt’s nicht schneller, aber komfortabler. Bei der Beleuchtung bin ich zwiegespalten: Ich fühle mich in die frühen 80er-Jahre zurückversetzt, als man noch keine komplette Beleuchtung von hinten kannte – Indiglo oder Illuminator waren noch Fremdwörter. Stattdessen leuchtete eine kleine Funzel oder ein grünes Lämpchen von der Seite aufs Display. Genau das gleiche haben wir hier auch. Allerdings: Es handelt sich um eine kräftige LED, die oberhalb der 12-Uhr-Markierung über das Zifferblatt hinausleuchtet und mühelos zum Buchlesen reicht. Ideal als Taschenlampe zu gebrauchen, weil sich die Beleuchtung durch ein Drehen des Handgelenks automatisch aktiviert.

Das Armband ist mit Karbon verstärkt. Im Falle eines Einreißens des Armbandes, bleibt die Uhr am Handgelenk.

Das Armband ist mit Karbon verstärkt. Im Falle eines Einreißens des Armbandes, bleibt die Uhr am Handgelenk.

Test-Fazit: Casio ProTrek PRW-6000

Casio legt mit der PRW-6000 einen klaren Fokus aufs Design. Die Zeiger-Darstellung ist zwar nett anzusehen, liefert aber nicht ausreichend genaue Daten. Und dabei hätte man das elegant über die Digitalanzeige lösen können. Wie’s richtig geht, sieht man am Casio-Model PRW-3000 – meinem geheimen Favorit. Das große Zifferblatt ist schlicht und schnell abzulesen. Sämtliche ABC-Funktionen sind vorhanden und arbeiten tadellos. Wer einen treuen Begleiter für Alltag und Outdoor sucht, ist bei der PRW-6000 gut aufgehoben. Sollte aber der kompromisslose Outdoor-Faktor im Vordergrund stehen, ist die günstigere PRW-3000 die bessere Wahl.